Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1920-01-01 · XIII. (1920) · page 280

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIII. (1920)
Date
1920-01-01
Page
– (sequence 280)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3486266-3486291--5464-3491835
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ä2s» Denn eine Prüfung kann ihr Erdenwallen doeh nicht sein; sonst dürfte sie gerechterweise nach gut bestandener Prüfung nicht an denselben Ort zurück, woher sie kam, nämlich zu Gott, sondern zum Lohne müsste sie erhöht werden, und Höheres als ihren Ur- Sprung gibt es nicht! Was soll also ihr Hiersein und ihr Leiden1 *״)? Durch Beispiele aus der Natur und durch Bibelverse legt sich Jehuda die Möglichkeit der Annahme einer stattfindenden Seelen- Wanderung, auch nach jüdische** Auffassung, zurecht: ״Die Läuterung der Seele, schliesst er, geschieht wie in der Alchemie. Man sucht aus Minderwertigem Kostbares zu gestalten, und wenn der erste Versuch misslingt, dann leert man den Stoff aus einem Gefäss ins andere, bis er in hellem Glanz erstrahlt44 2). Neben den Midraschim, dem Buche ״Jaschar“3) und Jona Gerundi's ״Bussbrief“ machten besonders die ״Herzenspflichten“ des Bachja ihn Pakuda tiefen Eindruck auf ihn4 *). Für die Astrologie, die zu seiner Zeit in Blüte stand, fand Jehuda die richtige Beurteilung. Wenn die Nichtjuden an ״Schicksalssterne“ glauben, so sei dies zu entschuldigen, weil sie doch die Thora nicht empfangen hätten. ״Wenn aber Söhne jener gottgläubigen Eltern, die einst am Sinai standen, ihr Herz wegwenden auf jenen abschüssigen Pfad und unsere vollkommene Gotteslehre beiseite lassen wegen der nichtigen Redensarten jener Astrologen, dann ist dies unverzeihlich, denn an die Astrologie kann nur der glauben, der die gesamte Thora leugnet, ihre Verheissungen und Drohungen sowie alle biblischen Wunder‘45). Als Halachist will Jehuda beim Unterrichte noch die tossafistische Methode angewandt wissen6), nähert sich aber auch schon der Schule der Dezisoren, deren Werke zu studieren er seinen Söhnen warm ans Herz legt7). Bemerkenswert ist Jehndas Ent- *) In seiner Anfrage an den Vater in טעם זקנים P* ®^b. י) Daselbst p. 66 a oben. *) Siehe Güdemann, Quellenschriften S. 26 und Brüll, Jahrbücher V, 80 f. 4) Jehudas Testament S. 345. — Jedenfalls war Jehuda, wenn er nicht nur die Terminologie der Philosophen, sondern auch astronomische Kenntnisse aus arabischen Schriften sich aneignete (vgl. oben S. 215), nicht so ״unwissend in anderen Fächern״ wie Grätz (VII, 346) meint. *) Jehuda EGA. f. 45 b. Siehe jedoch weiter unten. *) Jehudas Testament S. 344 Zeile 24 f. י) Daselbst: ונם תקבעו שעות ללמוד הלכה מפוסק ים בכל יום.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.