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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1920-01-01 · XIII. (1920) · page 281

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIII. (1920)
Date
1920-01-01
Page
– (sequence 281)
Language
German
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230 Scheidung, dass das jüdische Gericht im Falle der Unzuverlässigkeit des Vaters verpflichtet sei, die Kinder in Fürsorgeerziehung zu geben1). Jehudas Grundsatz als geistiger Führer der Gemeinde lautet: ״Wer die Macht hat, einem Übel zu steuern, und er tut es nicht, verdient dieselbe Strafe wie der Missetäter selbst“2 *). Mit schonungsloser Offenheit sagte Jehuda b. Ascher in seinen Predigten seiner Gemeinde alles, was er auf dem Herzen hatte8). Literarisch wandte sich Jehud^ mit seinen Sittenlehren nicht, wie sein Vater, an die grosse Menge, sondern nur an seine Söhne. Er predigt gegen die Lügner, Spötter, Schmeichler und Verleumder4), warnt vor Unmässigkeit in der Lebensführung und hasst den Hochmut5). An jedem Menschen, habe einst ein Weiser gesagt, ist etwas, was unsere Achtung verdient: Der Jüngling hat weniger gesündigt, der Greis mehr Gutes getan, der Arme viel gelitten, der Reiche Gelegenheit zum Wohltun 6). Es ist ein charakteristischer Zug in Jeiiudas Wesen, dass er jedem mit geradezu übertriebener Bescheidenheit entgegenkam. Nicht nur unter seinen Brüdern fühlt er sieh als ״der kleinste“ 7), sondern auch unter den Rabbinern seiner Zeit als der unbedeutendste, sodass er sich für unfähig und unwürdig hält, auch nur in einer kleinen Gemeinde zu *wirken 8), denn ״nur die Welt redet es sich ein, ich sei gelehrt“ 9). ln seinen Gutachten bildete es sich fast zur stehenden Formel heraus: ״Ich bin nicht wert, dass man mich befragt“10). Was er im Leben je errungen, alles schrieb .er dem Verdienste seiner grossen Ahnen 1) Jehuda RGA. &r. 35. 2) Daselbst Ende Nr. 61 (f. 18 b) nach dem bekannten Talmudwort. 8) Daselbst f. 45 a—45 b. Das Urteü von Weiss, דור דור ודורשיו V 4, 123, R. Jehuda entscheide mit Vorliebe nach der erschwerenden Seite, ist eine unbegründete und irreführende Behauptung. Jehuda b. Aschers Entscheidung in Bezug auf das Lernen ohne Kopfbedeckung hat in der neuesten halachischen Literatur wegen der grossen Erleichterung, die Jehuda macht (RGA. Nr. 20), geradezu Aufsehen erregt. 4) Jehudas Testament S. 345. Deutsch bei Winter und Wünsche, Die jüdische Literatur II, 689. 6) Jehudas Testament S. 344. 6) Daselbt S. 346 oben. 7) S. 375 Zeile 2-3. «) S. 376 Zeile 5f. ») S. 342 Zeile 10. 10) Jehuda RGA. Nr. 58 (f. 10 b), 69 (f. 16 a), 81 (f. 35 a).

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