Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIII. (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 265)
- Language
- German
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jährigkeit bedeutete, sondern den Knaben zura selbständigen Menschen machte. Da traten folgenschwere Ereignisse ein. In der Bheingegend, in der sich Ascher b. Jechiel mit seiner Familie aufhielt, wurde das Märchen aufgebracht, eine Amme habe den ihr nnvertrauten Sohn eines Soldaten aus der Nähe von Mainz an die Juden verkauft, die ihn dann umgebracht hätten1). Die Blutmär übte sofort ihre Wirkung auf den Pöbel aus. Am 7. Tage des Pessachfestes im Jahre 1283, als ein Bitter, ein Verwandter des Kindes, die Leiche desselben auf den Schultern tragend, vor Mainz erschien, fiel die Menge über die wehrlosen Juden her und brachte in Mainz zehn2) und in Bacharach 26 Personen3) ums Leben. Die Verfolgung wütete im weiten Umkreis und gab zu den schlimmsten Befürchtungen für die deutsche Judenheit Anlass4). Ascher b. Jechiel fühlte sich mit seiner Familie in Deutschland nicht mehr sicher und entschloss sich daher, den jungen Jehuda schon jetzt nach Spanien zu schicken 5). Bei Jehuda machte sieh wohl der Vater wegen seines Augenleidens wenig Hoffnung, dass er es im Thorastudium weit bringen würde, und so sollte Jehuda in Spanien versuchen, sich seinen Lebensunterhalt so reichlich zu verschaffen, dass er womöglich auch für seine Brüder, die inzwischen lernten, ausreichen sollte: er sollte der Sebulun der Familie werden6). Gelegenheit zur Beise, vielleicht Beisebegleitang aus Deutschland, fand sich bald, und so verliess Jehuda am Sonntag, den 18. Juli 1283 7), ״in Eiend״, ohne jede Habe8), seine 1J Annales Oolmarienses ad 1283 bei Böhmer, Fontes rerum Germanic. II p. 19 und die Urkunde bei Schaab, Diplomatische Geschichte der Juden in Mainz S. 53 f. Vgl. Gratz VII, 199. 2) Salfeld, Martyrologium S. 144—145, wo auch die ganze Literatur Uber die Verfolgung zusammengestellt ist. ף Daselbst S. 145-146. *) Gräte VII, 200; Salfeld S. 145. *) Siehe Jahrbuch XII, 245. 6) Ein anderer Grund dafür, dass Ascher gerade seinen Sohn Jehuda und nicht den ältesten nach Spanien schickte, lässt sich nicht ermitteln. Jehuda selbst sagt —־ allerdings erst nachträglich — ולפניהם למחיה שלחני (in seinem Testamente S. 372), als er von seiner Auswanderung spricht. ל) Jehudas Grabschrift, אבני זכרךן Nr. 5. p. 9 Zeüe 1, mit der Berichtigang von Schechter in .341 ,1885 בית תלמוד ף Jehudas Testament s. 372: דבר פשוט כי כשיצאתי בן(ט,) י״ג שנה לא היה לי כאס.