Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1920-01-01 · XIII. (1920) · page 254

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIII. (1920)
Date
1920-01-01
Page
– (sequence 254)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3486266-3486291--5438-3491809
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

203 wahre Grosse beruht in seinem siegreichen Verfechten de® Einheitsgedankens gegenüber dem Partikularismus in der Halacha. Sein ganzes Streben und Schaffen galt von vornherein der Gesamtheit Israels1). Aber nicht nur die Wiedergeburt seiner Einheity sondern auch eine Wiederbelebung seines Volksbewusstseins verdankt das jüdische Volk dem Baal ha-Turim. Es ist bezeichnend für den Unterschied in der Stärke jüdischen Nationalgefühl® zwischen den damaligen deutschen und den spanischen Juden, dass man in Spanien nur neun Trauertage zur Erinnerung an die Tempelzer- Störung hielt, während die religiösen Massen der deutschen Judenheit in Wehmut über den Verlust des Heimatlandes alljährlich drei volle Wochen tief zu trauern pflegten*). Aus den Zentren eines intensiven jüdischen Lebens am Rhein, wo das Stammesgefühl durch ständige Feindschaft und Gehässigkeit von seiten der Andersgläubigen immer wieder wachgerufen, stets wachgehalten würde, verpflanzten die Ascheriden den Willen zur jüdischen Eigenart nach dem anpassungssüchtigen Spanien8). Gewiss empfand das ״lebensfrohe Toledo" die Golusgtimmung der Ascheriden als düster und gedrückt, und mancher Zeitgenosse goss — wie mancher jüdische Geschichtsschreiber der Neuzeit — über diese ״Wissensfeindliche“ Familie den vollen Becher seines Zornes aus. Aber der Lenker der Geschicke seines Volkes hat es mit den damaligen Söhnen Judas besser gemeint als deren ״aufgeklärte“ Zeitgenossen. Die Einwanderung der Ascheriden in Spanien bedeutet nicht^einen Wendepunkt in den ״ Kulturbestrebungen״ der spanischen Juden, sondern die Rettung der spanischen Juden für das Judentum. Das Thoragesetz mit seinen unzähligen Vorschriften und Bräuchen, die den Juden aus seiner unjüdischen Umgebung heraus- - 4 ג) In seinem Testamente, 1885 בית תלמוד S. 379, betont er nachdrücklieh, dass alles Talmudstndium sich erstrecken soll an! דבר הצריך לעולם* Siehe Weiss,119 דור דור ודורשיל• So berichtet Abraham Zaeuto, יוחסץ IV: וזכה (הטוי") *וספריו הועילו לכל העולם Ähnlich josna F»!k a. a. 0.: ונתפשט חבורו בקרב ישראל, siehe besonders conforte,־«25 •ק קורא הדורות י) Tut או״ח *fr- 521. Der .nationale Geschichtsschreiber des jfldisehen Volkes*, Grätz, sieht in diesem Unterschiede der Bräuche nur ein Kenn- Zeichen dafür, ״um wie viel das officielle Judentum seit Maimuni gesunken ist“ l 8) Siehe Jahrbuch XII, 269—3.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.