Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIII. (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 252)
- Language
- German
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2Ö1 deren sich Ascher b. Jechiels Lehrsätze bei gahz Israel erfreuten, erhob die Turim, aus denen — wie gesagt — meist Ascher b. Jechiel selber spricht, über den örtlichen Charakter der Heimat ihres Autors und machte sie zum Wahrzeichen und zur Verkörperung der Einheit Israels in der Diaspora. Aber es ist noch ein anderer Umstand, durch den die Turim die Kluft, die zwischen Nord und Süd innerhalb der Judenheit bestand, zu überbrücken und die Einheit des Judentums tatsächlich wiederherzustellen imstände waren.? Jakob b. Ascher, der gleich seinem Yater die deutsche, französische und spanische Schule in sich vereinte, ward sich vor Abfassung der Turim wohl bewusst, dass in einem Ritualkodex des XIY. Jahrhunderts der Minhag nicht mehr fehlen durfte, wie es im Mischne Thora noch der Fall war1). Der Minhag, jene lebendige Quelle bisher ungeschriebenen Gesetzes, in welcher sich Seelenleben und Geschichte der in alle Länder versprengten jüdischen Volksteile in ergreifender Schlichtheit, ja in naiver Kindlichkeit klar wiederspiegelt, er hatte seit Raschi’s Schülern an Bedeutung so zugenommen, dass er bald zum Gegenstände selbständiger Abhandlungen wurde. Durch Meir aus Rothenburg und seinen Kreis hatte er dann eine wesentliche Bereicherung erfahren, sodass sich das gesamte Schrifttum der deutschen Juden vom XIV. bis ins XVI. Jahrhundert fast ausschliesslich mit ihm beschäftigte2). Jakob b. Ascher gehört zwar in Bezug auf den von ihm kodifizierten Minhag noeh in den Kreis, dessen Mittelpunkt Meir aus Rothenbürg ist3). Aber dem deutschen und französischen Ritus stellt er schon stets den spanischen und proven§alischen gegenüber. Unter Benutzung des gaonäischen 4), des deutschen5) und sephardischen*) Siddur und unter Berücksichtigung sowohl der deutschen und ג) Siehe Bäck, Die religionsgesetzliche Literatur der Juden (SA. aus Winter und Wünsche II) S. 12. י) Siehe Güdemann, Geschichte des Erziehungswesens III, Wien 1888, S. 12 ff. ף Zunz, Ritus S. 29. 4) Siehe oben S. 178. *) siehe Tur או״ח Nr. 46 (סידורי אשכנז) Nr. 51 (0 *» (נוסח אשכנזים. •) Daselbst Nr. 46: סדורים ספרדים; besonders die Gebetsordnung von Toledo findet Berücksichtigung (Nr. 267, 281, 622, 662; siehe Nr. 620J).