Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIII. (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 220)
- Language
- German
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169 beherrschte, war ihm fremd, Traumdeutung, Würfelspiel und das ״Werfen von Losen“ ihm verhasst. Von diesen Dingen heisse es in der Thora: ״Ganz sollst du sein bei dem Ewigen, deinem Gotte“. Aber selbst über Wissenschaften, wie die Philosophie, auch nur ein Wort zu verlieren, hielt er für überflüssig; er mochte, gleich seinem Vater, nicht über Dinge diskutieren, die ihm teils selbst״־ verständlich, teils unverständlich waren. Dem blendenden Scheine fremd völkischer Philosophie geht er ebenso scheu aus dem Wege wie dem Dunkel geheimnisvoller Kabbala1).. Der einzige Wissenszweig, mit dem ersieh beschäftigte, war das Kalen der wesen2). In seiner und seiner Brüder Verinnerlichung sah Jakob b. Ascher seine ganze Lebensaufgabe und sein Lebensziel. Das Leben soll nach dem Ausspruche des Talmuds ein ständiger Gottesdienst sein und alle Werktätigkeit des Alltags nur Mittel zum Zweck. ״Wie die Mühe, die man im Ackerbau auf Pflügen und Säen verwendet, nur dazu da ist, um Früchte zu erzielen, so 8011 die Mühe, die der ,Mensch für seinen Körper aufwendet, nur geleistet werden, um die Seele zu erhalten. Die Frucht des Tagewerkes ist die Gebetszeit, die Frucht der Werktage der Sabbath“3). Jede Stunde, die der Mensch dem Gottesdienste, dem Thorastudium entzieht, ist für das Leben verloren. Thorastudium ist Streben nach Wahrheit, und darin 8011 einem nie das Zeitalter, sondern immer nur der grösste Mann der Zeit Vorbild sein. Das ständige Bewusstsein der Zugehörigkeit zum GottesYolke muss in uns aber auch ein reges Verantwortungsgefühl unseren Volksgenossen gegenüber lebendig erhalten. Es legt uns die Pflicht auf, uns ihrer anzunehmen, sofern wir sehen, dass sie Unrecht tun. Aber nicht durch Schmähungen soll man sich Gehorsam bei ihnen verschaffen, ג) Siehe Jakob b. Aschers Einleitung zu seinem Pentateuchkommentar. Vgl. Weiss,דור דור ודורשיו v, 117. 2) Tur 427 § או״ח f.; die Kalenderberechnungen über den Moled stammen aus Maimonides’ הלכות קידוש החודש. Über Jakob b. Aschers Kalendertabeilen siehe Luzzatto im Literaturblatt des Orients VII, 420; Steinschneider in der Bibliotheca Mathematica 1896, 109. 8) Jakobs Testament, 1885 בית תלמוד s. 379: כל טורה שאתה טורח באדמה בחרישה וזריעה הוא כדי להוציא ממנה סיירות כן כל מה שאדם טורח בעניגי גופו הוא כדי לקיים הנשמה ופרי מעשה כל היום עת בתפלה ופרי מעשה כל השבוע יום השבת.