Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIII. (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 109)
- Language
- German
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58 2. Das Ladino* 1). Es ist dies ein altspanischer Dialekt mit etwas proven^alischem Einschlag. Seit vielen Jahrhunderten bediente man sich des Ladino beim Thorastudium (meldar2), und so wurde es auch in Portugal trotz der doch verschiedenen Landessprache beibehalten; vielleicht auch deshalb, weil es ausdrucksvoller ist und sich besser dem hebräischen Urtext anpasst als das Portugiesische. In dem Vorwort zur Ferrara-Bibel führen die ungenannten Übersetzer unter anderen Gründen für die Beibehaltung des Altspanischen den an, dass diese Sprache, obschon sie einem modernen Spanier befremdend, ja barbarisch erscheinen mag, gerade durch ihr hohes Alter dem Ausdruck eine grössere Weihe verleiht. Das Ladino nahm infolgedessen fast den Charakter einer zweiten heiligen Sprache an, während das Portugiesische nur als Vulgärsprache galt. In häuslichen Kreisen sang man sowohl hebräische wie spanische פזמונים, auch wohl solche, in denen beide Sprachen nebeneinander vorkamen. Die meisten Damen in der Gemeinde pflegten spanische Gebetbücher zu benutzen, von denen noch manche Exemplare vorhanden sind. Diese Bücher enthielten eine aus bestimmten Gründen ängstlich wörtliche und daher oft unelegante Übersetzung unserer Gebete, während nur einige Stellen wie z. B. der Vers שמע ישראל, in der Ursprache verblieben, allerdings mit lateinischen Lettern gedruckt. Zitate aus Bibel und Talmud wurden entweder in der Ursprache oder spanisch, seltener portugiesisch, *gebracht. In dem von Menasse ben Israel in portugiesischer Sprache verfassten Thesouro dos dinim, einem Bitualkodex für Laien, findet man z. B. alle Benediktionen auf Spanisch angeführt. In unserer Gemeinde kommt das Altspanische heute nur noch bei zwei Gelegenheiten an irgend welche Arbeit zu verrichten oder Feuer anzurühren. — Damit es allen knnd sei, wird diese Bekanntmachung erlassen. Und Gott segne sein Volk mit Frieden, Amen!) l) In alten Zeiten wurde das Spanische seines lateinischen Ursprungs wegen auch ladino oder romance genannt. 8) Meldar ist der übliche Ausdruck für das, was man bei deutschen Juden *Lernen“ nennt. Die spanische Akademie sagt allerdings mit Unrecht, der Ausdruck bezeichne den Besuch der Synagoge oder das Beten. Dies beweist wieder einmal, welchen Irrtümern man selbst in Gelehrtenkreisen begegnet, sobald es sich um jüdische Dinge handelt.