Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIII. (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 108)
- Language
- German
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gläubigen nannte man Framengo1 2 * * * * *). Von einem Hochmütigen sagte man, er habe viel fumos (Dünkel). Einen Menschen von niedriger Gesinnung bezeichnete man als patife oder mit einem Augmentativ als patifäo, den Pöbel schalt man farrapos (Gesindel) n. s. w. Auch der Speisezettel wies noch viele portugiesische Benennungen auf, z. B. calda de gräo (Suppe von Getreidekörnern), aletria (Nudeln), molleja (Kalbsmilch), acepipes (Nebengerichte), patinhos (junge Gänse), bolo (Kuchen) etc.; nicht zu vergessen der bolo de Sanches, ein delikates Gebäck, das bei keinem Familienieste fehlen durfte und auch von Nicht-Portugiesen sehr geschätzt wurde. In. diesem Sprachgemisch war es üblich, portugiesische Tätigkeitswörter ץ mit der Endung des deutschen Infinitivs resp. Partizips zu versehen. ]80 sagte man z. B.: Ich möchte an Sepher subieren (aufgerufen werden); er fürchtet, den Sabbat zu quebrantaren (entweihen); das Kind kann noch nicht circumcidart (beschnitten) werden!] N. N. hat das Sepher levantart (הגבהה verrichtet) u. 8. w. Heute, wo auch das Plattdeutsche dem Hochdeutschen hat weichen müssen, hört man derartige Ausdrücke weit seltener. Der Gebrauch des Portugiesischen beschränkt sich jetzt auf einige in der Senoga*) (Synagoge) noch übliche Formeln beim Verteilen der מצות, bei dem מי שברך, bei einigen kurzen Hinweisen auf Änderungen in der Liturgie sowie beim Verkünden des Neumonds und eines Fasttags. Ausserdem werden alljährlich noch drei grössere Bekanntmachungen (pregöes) erlassen; eine mit Bezug auf das Fortschaffen des חמץ und je eine um anzuzeigen, wann am Vorabend von תשעה באב und כפור das Fasten beginnt8). Diese Bekanntmachungen werden von den meisten Anwesenden noch dem Inhalte nach verstanden. x) Framengo ist eine Umbildung des niederländischen vlaming d. h. Häme. 2) Senoga oder Esnoga. Dieser ▼eraltete Ausdruck, durch Synkope aus synagoga entstanden, ist noch heute bei den Jaden Lissabons üblich (siehe Figueiredo Diccionario, Lissabon 1913). a) Zur Veranschaulichung diene der Wortlaut dieser letzteren Bekannt» machung: Se faz saber a V. M. que para entrar no jejum em.Feira tarde se deverä ter comido äs . . . horas ao mais tardar. Como tambem seja cada quäl advertido de näo fazer alguma Sorte de obra nem tocar fogo de ditta hora por diante. — Para que seja notorio se faz este pregäo. E Deos: bendiga seu povo com paz, Amen! (Es wird Ihnen angezeigt, dass man, um> am.tag nachmittag in den Fasttag einzutreten, spätestens um •.. Uhr gegessen haben muss. Auch sei ein jeder davor gewarnt, von besagter Zeit