Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIII. (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 107)
- Language
- German
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56 Amtssprache, die Sprache, in der gepredigt, verhandelt und mit auswärtigen Gemeinden korrespondiert wurde. Um mit der eingeborenen Bevölkerung verkehren zu können, war man allerdings alsbald gezwungen, sich die damals hier übliche Landessprache, das Plattdeutsche, anzueignen. In den Familien dürfte sich das Portugiesische bis etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts behauptet haben; wo alsdann das Plattdeutsche die Oberhand gewann; doch stand ersteres als Amtssprache, sozusagen als Gemeindesprache, noch immer in Gebrauch. Bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurden sowohl in Hamburg wie in Altona die Bücher und Register der Gemeinde portugiesisch geführt; ebenso noch viele Handelsbücher. Ausser den hier im Druck erschienenen portugiesischen Predigten älteren Datums wie z. B. die des Ribi Abraham Cohen Pimentei (Hamburg 5448) sind teils handschriftlich, teils gedruckt, noch solche vorhanden, welche der bekannte Abraham de David Meldola, kaiserlicher Notar und Herausgeber (nicht Verfasser) des דרכי דוד, Ende des 18. Jahrhunderts in Hamburg-Altona in portugiesischer Sprache gehalten hat, was erkennen lässt, dass diese Sprache zu jener Zeit noch allgemein verstanden wurde. Aus einem Statut der hiesigen Gemeinde vom Jahre 1812 geht hervor, dass in der damaligen Gemeindeschule, ausser dem Hebräischen, auch das Portugiesische gelehrt wurde. Von jenem Zeitpunkte an scheint aber dennoch der^ Gebrauch dieser Sprache allmählich gejq schwunden zu sein, j In meiner Jugendzeit, die jetzt ein halbes f 0 / & Jahrhundert zurückliegt, kannte ich noch einige ältere Mitglieder, wie Jeosua da Fonseca und Abraham de Abraham Benveniste, die j das überlieferte Portugiesisch notdürftig sprechen konnten. Dagegen! war es noch gang und gäbe, portugiesische Wörter und Redens- ן arten in die Unterhaltung einzuflechten; und ich muss gestehen, j dass dieses sonderbare Gemisch von Plattdeutsch und Portugiesisch | einen ganz eigenartigen Eindruck machte. So hörte man Ausdrücke wie entrada (Verlobung), casamento (Heirat), boda (Hochzeit), noivos (Brautleute), thalamo (Trauhimmel), und wiederum mortalha (Totenbekleidung), tumba (Sarg)» epitaphio (Grabschrift) u. s. w.; ferner \ Redensarten wie: Er lässt sein Geschäft a bambolear (drunter und drübergehen); er macht von allem so viel barafunda (Aufhebens)j etc. Ein häufig angewandter Ausdruck des Mitleids lautete mofino oder coitado (Unglücklicher, Bedauernswerter). Einen Anders-