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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 303

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 303)
Language
German
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300 zusammen war, der empfand vor dieser reinen Persönlichkeit heilige Scheu und glaubte, ״es stehe dieser Greis nur körperlich auf Erden, sein jGeist dagegen weile in überirdischen Sphären" 1). In der wahren Innigkeit des Herzens bei der Übung der göttlichen Gebote war er seinen Zeitgenossen ein grosses Vorbild. So berichtet sein Sohn von ihm, er habe sich stets mit grösstem Eifer eigenhändig an der Bereitung von Mazzoth für seinen Hausbedarf beteiligt2), wo es wahrlich an anderen Kräften hierzu nicht fehlte (R. Ascher war Oberhaupt einer Familie von mehr als zwölf Personen). Dagegen war ihm jede Überfrömmigkeit, wie sie bei den Schwärmern seiner Heimat häufig zu finden war, verhasst. Er sah es ungern, dass Leute in Deutschland zwei Tage Jom Kippur hielten, und untersagte es ihnen, einen öffentlichen Gottesdienst für sich abzuhalten3). Grossen Wert legt R. Ascher auf die wahre Andacht beim Gebete. Seine Entscheidung lautet: man soll lieber wenig, aber mit Verständnis beten4). Er lässt daher alles beseitigen, was im Gebete Ablenkung verschaffen könnte, z. B. die Illustrationen in den Gebetbüchern 5), und er verbietet das Mitsingen mit dem Vorbetet6). Das Gotteshaus, in dem man sich angemessen betragen soll 7), hat nur zur Andacht anzüregen und soll nicht zu einer Vergnügungsstätte herabgesetzt werden, wozu man es in manchen spanischen Gemeinden gerne gemacht hätte8). Die Besch'äftigung mit naturphilosophischen und methaphysiscben Fragen, wie sie ״hervorragende Denker" betrieben haben, erklärt R. Ascher für ein gottesleugnerisches Unterfangen9). Von der Einwirkung des Gestirnes, unter dem ein Mensch geboren ist, auf seine Lebens- Schicksale ist er fest überzeugt10), dagegen scheint ihm die damals unter den Juden stark verbreitete Dämonenlebre nicht recht glaubwürdig, wenn er auch die dunkle Gewalt der שדים gänzlich 1) Minchath Kenaoth Brief 50. 2) ןך אן״ךן^ Nr. 460. 3) Das. Nr. 624. 4) Ascher EGA. Nr. 4 1s. 5) Das. Nr. 2 6. 6) Das Nr. 4 19. Vgl. Elbogen, Der jüdische Gottesdienst in seiner gesehiehtlichen Entwicklung S. 491. 7) R. Aschers Testament § 40. 8) Ascher EGA. Nr. 4 22 und טור או״ח Nr. 53. / ף Ascher rga. Nr. 55 9: ...וחכמים גדולים חין 10) Das. Nr. 538 und R. Aschers דרוש אי[ מזל לישראל. Vgl. hierüber Kapitel X. י

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