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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 302

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 302)
Language
German
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299 Neben den allgemeinen Anstandsregeln und Sittenlehren, wie Aufrichtigkeit, Massigkeit, feines Benehmen auf der Strasse, fordert R. Ascher von jedermann ein Ideal zum Lebensziel. Nicht Geld soll des Menschen Lebenshoffnung sein, und die Anbetung des Goldes erklärt er für den ersten Schritt zum Götzendienst. Er gebietet einen angemessenen Umgang mit den Nebenmenschen, besonders mit den Gelehrten und eine würdige Behandlung der Frau 1). Besonders bemerkenswert ist das Verhalten, das B. Ascher seinen Glaubensgenossen gegen Nichtjuden empfiehlt. Nicht blinder Hass und dominikanischer Fanatismus erfüllt ihn gegen die Mörder seiner Glaubens- und Familiengenossen und seines grossen Lehrers, gegen die, welche ihm nach dem Leben trachteten und ihn aus seiner Heimat, in der er sich so wohl gefühlt hat, hinausgerissen. Nein, er predigt seinen Glaubenshrüdem Nachgiebigkeit und freundliches Entgegenkommen Andersgläubigen gegenüber, er fordert, dass man gegen sie aufrichtig sei2), sie nicht erzürne, dass man sich seinen Mitbürgern unterordnen und jeden, ohne Unterschied des Glaubens, zuerst grossen solle *). Andererseits aber sucht er die Assimilationsbestrebungen der spanischen, Juden zu hemmen, lässt nirgends im täglichen Leben, noch viel weniger beim Gottesdienste, irgendeine nichtjüdische Sitte zu4), trifft die Entscheidung, dass diejenigen, die bei Hofe verkehren, von der Übung und Beobachtung der religiösen Vor- Schriften nicht befreit seien 5) und verhindert durch strafrechtliche Massnahmen den Übertritt einer Jüdin zum Christentum 6). Jeder Jude hat auch nach aussen hin seinem Glauben Ehre zu machen und sich — besonders in materiellen Angelegenheiten — die grössten Erschwerungen aufzuerlegen, dass er nicht Andersgläubigen gegenüber den göttlichen Namen entweihe *). ln religiöser Hinsicht lehrt R. Ascher Demut vor Gott und festes Gottvertrauen. ״Gib, wenn es der Herr befiehlt, dein Geld weg, den Ersatz kann er dir gewähren8 ״). R. Ascher selbst war ein Muster der Frömmigkeit9). Wer auch nur kurze Zeit mit ihm *) Aus R. Aschers Testament □ארחית חיי (über dasselbe siebe Kap. X). י) Ascher RGA. Nr. 8 1®. ף Aus seinem Testamente. ף Ascher RGA. Nr. 84 *. ö) Das. Nr. 18 1 Nr. 80 ’}. «) Das. Nr. 18 1s. 7) Das. Nr. 9 2. a) Aus seinem Testament. # ף Vgi. sein Verhältnis zu Meir aus Rothenburg oben S. 248 u. Anm. 8.

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