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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 265

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 265)
Language
German
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262 einem Kollegen in Cordova — und dies war noch einer von den gelehrteren in seinem Berufe — erst erzählen: ״Einst gab es einen Gelehrten in unserem Lande, der hiess Rabbenu Gerschom . . .u1). So bescheiden auch R. Ascher, nach dem Beispiele seines Lehrers R. Meir, in Deutschland seinen Kollegen und selbst Schülern gegenüber auftrat * 2) so sah er sich doch in Spanien veranlasst, gegen einen seiner Gegner, der von ihm geradezu behauptete, ihm ginge die Fähigkeit des vernunftgemässen Denkens ab, voll Selbstbewusstsein zu äussem: ״Was klares Verständnis der göttlichen Lehre anbetrifffc, so hat mich der Herr begnadigt, weit mehr denn all die jetztigen Gelehrten hierzulande. Solange ich lebe, gibt es noch Lehre in Israel, noch lassen sich aus Mischna und Talmud Beweise erbringen, sodass wir nicht auf arabische Spruchweisheit angewiesen sind“3). Es war aber nicht etwa ein ausgesprochenes Vorurteil gegen die spanischen Juden, das R. Ascher derartige Äusserungen entlockte, sondern er räumte ihnen, wo sie im Recht waren, gerne die grössere Zuverlässigkeit ihres Ritus gegenüber dem allgemeinen deutschen Brauche ein und er selbst gab dann den deutschen Minhag auf, um den spanischen zu befolgen4). Wo es sich nicht zweifellos feststellen liess, welcher Brauch der richtige ist, liess er beide Bräuche, den deutschen und spanischen, nebeneinander bestehen und zwang — obgleich der deutsche Brauch mehr Wahrscheinlichkeit für sich hatte — niemandem seine Meinung auf5). Aber in Spanien war mit der Gelehrsamkeit auch die wahre Frömmigkeit gesunken. So sah man bei der Anstellung eines Vorbeters, der doch Vertreter der Gemeinde vor Gott sein sollte, nicht mehr auf Herkunft und bisherigen Lebenswandel, sondern nur aüf eine schöne Stimme. Hierüber ärgerte sich R. Ascher seit seiner Ankunft in Spanien6). Selbst die Bewerber um das Rabbinat waren dieses Amtes oft so unwürdig, dass R. Ascher bestimmte, man solle an Stelle eines solchen Rabbiners lieber gar keinen an- י) Ascher RGA. Nr. 43 8. 2) Vgl. das. Nr. 2 114 2 ,2 י Anfang und 2 19 Ende u. a. Besonders bemerkenswert ist die Erzählung in עומר השכחה t 137 d. 8) Ascher RGA. Nr. 55 9 im לשו[ הרא״ש. 4) טור או״ח Nr. 565. 6) טור יו״ד Ende Nr. 399. 6) Aseher RGA. Nr. 4 22 und טור או״ךן Nr. 53.

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