Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 206)
- Language
- German
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203 der gleicht einem Reiter, dessen Ross Zaum und Zügel entbehrt; bei der ersten Gelegenheit wirft es ihn ab‘41). Wenn diese Aussprüche von einem Zeitgenossen Acheis stammen würden, so möchte man mit Bestimmtheit behaupten, sie seien auf ihn gemünzt gewesen. Denn aus jener Zeit ist uns kein anderer Mann bekannt, auf den die Charakteristik שאץ בו מעשים טובים ולמד תורה הרבה so sehr passen würde, wie auf ihn, den Lehrer R. Mei’rs, der nicht nur in Glaubensfiragen ein Abtrünniger war, sondern auch in sittlicher Hinsicht zügellos gewesen ist, wie uns im Talmud Chagiga 15 a erzählt wird. Bemerkenswert ist in dieser Hinsicht der Ausspruch seiner Tochter, das. 15 b, ד *כיד לתורתו ואל תזכור מעשיו. Wenn wir nun aber sehen, dass derartige Aussprüche aus seinem eigenen Munde hervorgegangen sind, so werden wir wohl bereehtigt sein zu sagen, dass er am Ende seiner Tage Selbsterkenntnis genug besass, um einzusehen, was die eigentliche Ursache seines verfehlten und verlorenen Lebens gewesen sei. Der Mangel eines, sittlich gefesteten Charakters, der allen Versuchungen und Verlockungen der Sinnlichkeit und des Wohllebens zu widerstehen vermag, hat ihn bei aller Gelehrsamkeit auf Abwege geführt. Dieselbe Erfahrung machen wir ja leider häufig genug. Die Glaubenszweifel, die sogenannten seelischen Konflikte, die sich namentlich bei der Jugend zu einer bestimmten Zeit im Herzen regen, ^ie Hessen sich ganz gut überwinden, wenn nicht die im Unterbewusstsein schlummernde Begierde nach einem freien, von jeder religiösen Schranke losgelösten Genussleben die eigentliche Triebfeder des Abfalls wäre. Das hat auch Acher am Ende seines Lebens, als das heisse Blut sich abgekühlt hatte und die wilden Triebe zur Ruhe gekommen waren, erkannt, sodass das spät geborene Kind der Sünde, die Reue, bei ihm sich einstellte. Er hatte eingesehen, dass das sittliche Fundament seines Charakters zu schwach und brüchig war, um den Quaderbau des jüdischen Pflichtenlebens eines תלמיד חכם zu tragen und dass er trotz seiner hohen geistigen Begabung nicht Willensstärke genug besass, um dem wilden Ross der sinnlichen Begierden Zaum und Zügel anzulegen. 1) Diese Worte sind nur eine nähere Ausführung des Psalmverses 3% 3.