Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 181)
- Language
- German
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178 Dasjenige, wofür der alte Lissaer Rabbiner energisch eintrat, hat sich noch immer nicht überlebt. Heute nach 135 Jahren erheben die polnischen Rabbiner genau dieselbe Forderung: ״In den Chedorim sollen zwei Stunden im Tage profanen Fächern gewidmet sein", und ein deutscher christlicher liberaler Reichstagsabgeordneter vertritt die Ansicht: ״Es wird indessen unumgänglich sein, da es unmöglich wäre, die Chederschulen sofort durch öffentliche jüdische Volksschulen zu ersetzen, an sie anzuknüpfen, sie zu entwickeln"1). Die weitere Entwicklung der jüdischen Geschichte hat gezeigt, dass der polnische Rabbiner scharfsinniger in ihre Zukunft zu schauen verstand als der Berliner Rationalist. Die Befürchtungen des ersteren für den Niedergang der nationalen Studien sind voll und ganz in Erfüllung gegangen. Der neueste Historiker des jüdischen Gottesdienstes sagt über dessen Entwicklung in der Neuzeit: ״Die Geschichte hat über alle radikalen Umwälzungen ihr Verdikt gefällt. Endlich hat die Befürchtung, die vor hundert Jahren an den Anfängen der Bewegung ausgesprochen wurde, sich in erschreckender Weise erfüllt, die Vertrautheit mit dem Gottesdienste hat trotz seiner Vereinfachung nicht zugenommen, die Gleichgültigkeit gegen seine Einrichtungen ist gewachsen, sie ist grade dort mit am grössten, wo den Forderungen nach zeitgemüssen Umgestaltungen am meisten Rechnung getragen wurde"2). Es ist in ebenso hohem Masse überraschend, zu sehen, dass auch auf den Gefilden der jüdischen Studien eine immer grösser werdende Unwissenheit mit allen ihren traurigen Folgen um sich greift, jemehr in Verfolg der Forderung Wesselys das ״allgemein Menschliche״ sich gegenüber dem speziell Jüdischen geltend machte. Wessely hat selbst die Probe aufs Exempel gemacht ״Unaufhörlicb suchte er bei den Juden dahin zu wirken, dass sie ihre Kinder der neuen Anstalt, dem Dessauer Philanthropin, anvertrauten, ואשר יחבר הרב המחבר ההוא׳ רעו את גדיותיכם על משכנות מבטחות מפתח שפתותיו שושנים וכראי מוצק יהיו ספרים הנחמדים במראית הצובאות, יצבאו בנים וישבעו, ממנו ירא*ו וכן יעשו גם הסה להרגילם מנוער בלמוד הנכבד הזה, כי ה' חפץ השכל וידוע אותו, באמור לחכמה אחותי. נפש דוד, Przemysl 1878, Teil II מכתב לךןך S. 8 a, meine Geschichte der Juden in Lissa S. 300. *) Der Israelit, 1917, No. 30 S. 4, Neue jüdische Monatshefte, 1916, I 35. 2) Monatsschrift a. a. 0. 1916 S. 469.