Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 175)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3486266-3486293--5027-3491397- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1121 den sie dem *kritischen Betrachter. Man konnte* a11& diesen Skizzen nicht ersehen, wie er im einzelnen die Dinge des Unterrichts und der Erziehung sich dachte. Etwa fünf Monate nachdem der Kaiser das Toleranzedikt unterzeichnet hatte, nach anderen gar schon nach zwei Monaten *־), lagen diese neuen Erziehungs*- and ünterrichtsfdäne des Sendschreibens bereits im Drucke vor — mit alten? Anzeichen der Überhastuug und Unfertigkeit. Weil Wessely׳ die alte Erziehungsmethode vollständig, verwarf statt sie mit zarter Rücksichtnahme, geschichtlichem Verständnis^ Pietät und KIngheit fortzuentwickeln, weil er eine nur in lapidaren Worten gezeichnete ״Lehre vom Menschen zeitlich vorausgehen iiess« den obersten Gottesgesetzenu 2), weil man י mit, den neuen Leitsätzen wenig anznfangen wusste und sie nur, im Gegensatz gegendie, überlieferte Art sah, weil kein deutliches und klares Programm gegeben ^warde,- ״fehlte .es wenig“, wie Mendelssohn sagte 3), ״so waren auch sefam deutschen Mitbrüder wider ihn in Harnisch“ Fernstehende, die seine Redlichkeit, seinen Edelsinn und seine Liebe vzn den Menschen nicht kannten, mussten,, wie ein aufrichtiger Freitod seiner Lehre sagt, infolge dieser seiner ״Anwandlung von Extase“ an ihm irre :werden;er hätte ״etwas gelassener und vermittelnder über den U&temcht in dem Talmud sich aussprechen“ müssen4). Derjenige Gegner Wesselys, der hier nun zu Worte kommen sollund gegen dasWesselysche Sendschreiben auftrat, war kefceswegs ein*iFfeind der josefinischen Reform. Was er wollte, war, dass. * die♦ jüdische Jugend weiterhin in der Hauptsache eine jüdische Erziehung;gemessen sollte, und . dass ausserjüdische Lehrgegenstände im Nebenunterricht betrieben werden sollten. R. David Tewele, von 1774 bis 1792 Rabbiner in Lissa, genannt ״Charif״, der Scharfsinnige, hielt am Sabbath vor dem Pessachfeste 1782 in der Gemeindesynagoge eine gegen Wessely in schärfster Polemik sich richtende Predigt, die bisher nur handschriftlich vorhanden gewesen ist 5). *) Graetza. a.. 0. S. 95, Jost, Gescb. des Judent. III 312 Anro.2. ף Sendschr. 1 [s. 2 a]: תורת האדם קודמת בזמן לחקי אלהים העליונים. •) Bei Graetz a. a. 0. S. 591. 4) Auerbach a. a. 0. S. 197 f. 5) Die Handschrift war einst im Besitze* des* bekannten Berliner Gelehrten Leiser Landshath, eines Nachkommen R. > Davids, später im Besitze des in- 1 .