Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 169)
- Language
- German
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166 Stocktalmudisten ausserordentlich" 1). ״Einige nicht ganz besonnene Ausdrücke des immer etwas phantastischen Verfassers gaben ihnen (den Gegner Wesselys) zum Teil Waffen״ .(2״Diese Punkte waren allerdings geeignet, auch die denkenden ßabbinen gegen Wessely zu erwecken ... Viele Missverständnisse hatte sein erstes Schreiben veranlasst ... Die Gegner [sind] nicht eigentlich durch blinden Eifer angetrieben worden, seine Äusserungen anzufeinden, sondern durch ein richtiges Gefühl, dass mit den neuen Gedanken über die Er- Ziehung der talmudischen Lehrweise der Todesstoss gegeben wurde, und dass eine Verallgemeinerung derselben allerdings ihrem Begriffe von Religion Abbruch thun würde. Diese Besorgniss war nicht ungegründet, wie der Abfall fast sämmtlicher Nachkommen jener Reformer bewiesen hat"3). ״Mendelssohn mit seinem Scharfblicke versprach sich von Anfang an nicht viel davon". Wenn schon von ihm das Wort gilt: ״Für die Geschichte hatte er überhaupt keinen Sinn", wie sollte der ungleich schwächere Denker Wessely das geschichtlich Gegebene zur Geltung haben bringen können, er, ein echtes Kind seiner Zeit, der es ״galt die teuern Theorien durchzuführen, die Zeit voll wunderlicher Widersprüche, tolerant und doch auch wieder unfähig, eine fremde Meinung zu tolerieren?4״). In diesem Sendschreiben, das kaum siebzehn kleine Blätter umfasste, hoffte Wessely das bisherige jüdische Erziehungssystem *) Graetz, Geschichte der Juden XI *, 95 ff. *) Jost, Gechiehte der Israeliten IX 83. 8) Jost, Gesch. des Judenthums und seiner Sekten! Leipzig, 1859 III 314f. 4) Graetz a. a. 0., Geiger in der jüd. Zeitschrift für Wissenschaft und Leben I 143, Weber, Lehrbuch der Weltgeschichte II, Leipzig 1868, S. 358. Vgl. noch die Urteile Steinschneiders, der die Äusserung Josts (Gesch. des Judcntums und seiner Sekten III 308), dass Wessely ,überaus geistreich“ gewesen sei, unbegründet findet, (Zeitschrift f. d. Ges» 11. der Juden in Deutschland V 166 Anm. 2) und Bernfeids: ,Schon S. D. Luzzatto, ein gewiss kompetenter Beurteiler hebräischer Dichtungen, hat den Ausspruch getan, dass er diese Dichtung (Wesselys Mosaide שירי תפארת) Diemalsj habe zu Ende lesen können. Diese ,Mosaide“ nimmt heutzutage in der hebräischen Literatur dieselbe Stellung ein wie Klopstocks ״Messiade“ (deren Nachbildung sie auch ist); sie gehört zum Inventarium der Literaturgeschichte, gelesen wird sie jedoch nicht mehr“ (Jahrb. für jüd. Gesch. und Literatur III 174). Über diese שירי תפארת äusserte sich Noah Mannheimer (Monatsschrift für Gesch. und Wissdes Judentums 1917 £. 306): ,Mir gefällt dieselbe Erzählung in der Bibel weit besser — poetischer ist sie gewiss“.