Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 167)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3486266-3486293--5019-3491389- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
/;164 Wenn wir unter der Erde die Sorge, für die irdischen Dinge verstehen, unter dem Himmel aber die Sorge für die geistigen Güter, die Ideale, begreifen, so gewinnt die Frage ein ganz; anderes Gesicht. Dann teilen wir das Erstaunen des Rabbi Simon! ben Jochai nicht und pflichten der Vermittelungsansicht Rabbi Jocbanans bei, dass der Mensch allerdings als Endzweck seines Lebens und Strebens an den Himmel, an die Ideale, allzeit denken müsse, dass er dagegen im Leben zunächst mit den Sorgen der Erde sich zü befassen berufen ist, aber in der Sorge um die: Erde niemals auch nur einen Augenblick den Himmel, die Ideale, aus dem Auge verlieren dürfe. Das ist dann ein Sinn, der eines Hillel und Schammai und auch der Beth Hillei und Beth Schammai durchaus würdig ist. Wir sind , mit unseren Ausführungen zu Ende. Sie ,haben vor unseren Augen das Bild eines Mannes entrollt, der ob . seiner bemerkenswerten Charaktereigenschaften eine sich von Geschlecht zu Geschlecht im Judentum fortvererbende Volkstümlichkeit erworben bat, eines Mannes der erhabensten religiösen' und. sittlichen Anschauungen, von dem man sagen kann, dass in ,ihm der wahre Thorabgeist seine mustergültige Verkörperung, gelanden hat. Sie haben: uns eine Persönlichkeit -erkennen lassen von hohem geschichtlichen , Wert, der ,durch die Treue gegen , die Ueberlieferung und durch seine'logische Begründung des ge&etzliehen Lehrinhalts des Judentums viel zu dessen ewigem .;Bestände beigetragen und durch seine wohlangebrachten Einrichtungen, die Gesundung,:des sozialen Lebens unter seinen Zeitgenossen 1; erheblieh gefördert.,bat. Das Urteil des Talmuds, das ,diesen bedeutenden ,Mann einem Esra ebenbürtig an die Seite stellt, ist überaus zutreffend; beide sind Neubegründer des Judentoms .geworden, und, wie. Esra, wird auch Hillel nie und;nimmer vergessen wer- ,den, da sein Name für alle Zeit und Ewigkeit mit der Geistes־ geschickte des Judentums unlöslich verknüpft ist.