Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 166)
- Language
- German
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163 ander — es sind die bekannten Sabbath 14b erwähnten Funkte —, so dass im ganzen vier Kontroversen Vorlagen. Als nun aber die Zahl der Schüler wuchs, die ihre Lehrer nicht ausreichend ״bedienten", da nahmen die Streitigkeiten in Israel überhand und man teilte sich in zwei Gruppen, von denen die eine für rein, die andere für unrein erklärte. Die Sache wird nicht früher ihren alten Stand zurückgewinnen, bis der Sohn Davids, der Mosehiach, kommen wird." Vielleicht ist es am Platze, hier noch auf eine Streitfrage zwischen den Schulen Hilleis und Schammais hinzuweisen, die uns Chagigah 12 a und in weiterer Ausführung im Midrasch Jalkut (Anfang 4) berichtet wird, an der nach dem ganzen Zusammenhang auch offenbar Hillel und Scbammai selbst beteiligt waren. Es ist das eine Stelle, die scheinbar einen kosmologisch-philosophischen Charakter trägt, wiederum aber nach dem Tenor der zweiten Stelle in übertragenem Sinne aufzufassen sein dürfte. Es handelt sich um die Frage, ob bei der Schöpfung die Erschaffung des Himmels der Erde voraufgegangen oder umgekehrt die Erde vor dem Himmel geschaffen worden sei. Die Beth Schammai meinen, der Himmel sei zuerst geschaffen worden; denn wenn ein König sich einen Thronsessel fertige, komme auch zuerst der Sitz und dann der Schemel; der Prophet Jesaias nennt aber den Himmel Gottes Thron und die Erde den Schemel seiner Füsse. Die Beth Hillel meinen, wenn ein König sich einen Palast erbaue, so komme zuerst das untere Stockwerk und dann der obere Teil; das ganze Weltall aber sei der Palast Gottes. Beide Schulen berufen sich zur Begründung ihrer Ansicht auch auf Bibelstellen. Rabbi Jochanan will eine Vermittelung anstreben, indem er sagt, im Schöpfungsplane sei der Himmel vorangegangen, in der Ausführung die Erde. Rabbi Simon ben Jochai ist — wie uns scheint — mit Recht darüber erstaunt, dass die Väter der Welt, Beth Schammai und Beth Hillel, überhaupt über die Schöpfung von Himmel und Erde streiten können. Es wäre nach seiner Anschauung denkbar, dass beide gemeinsam und gleichzeitig entstanden seien, etwa wie ein Topf und sein Deckel. Uns wiH es scheinen, dass wir hier keine müssige, sondern eine im hohem Grade praktische Frage vor uns haben; nur müssen wir sie in übertragenem Sinn begreifen. u*