Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 158)
- Language
- German
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155 Und das harte Wort des durch die Totenbeschwörerin aus dem Grabe aufgerufenen Propheten Samuel an Saul: ״Morgen wirst Du bei mir sein* erklärt Hillel (das. 33) durch den Vorwurf: ״Nicht allein, dass Du Gottes heiligen Zorn gegen Amalek nicht zur Ausführung gebracht hast, hast Du auch noch in götzendienerischer Anwandlung Dich einer Totenbeschwörerin bedient. Wehe dem Hirten, wehe seinen Schafen! Um Deinetwillen hat Gott Israel in die Hand der, Philister gegeben״. Ehe wir diesen die religionsphilosophischen und ethischen Anschauungen Hillels behandelnden, sagen wir kurz, den haggadisehen Teil schliessen, sei noch darauf aufmerksam gemacht, dass einzelne Sprüche und Sätze, die in den Pirke Aboth und auch sonst im Namen anderer mitgeteilt werden, tatsächlich Aussagen Hillels sind. Es steht fest, dass manchmal ein Spruch nicht im Namen des Autors, sondern des Tradenten mitgeteilt wird. So wird z. B. Hillels berühmter Ausspruch gegenüber dem Proselyten, dass der Satz ״Liebe Deinen Nebenmenschen, wie Dich selbst!" die ganze Thorah ausmache, im Namen Rabbi Akibas als כלל גדול als ״Fundamentalsatz der Thorah״ erklärt. Der Satz des Ben Bag-Bag am Ende von Aboth V: ״Wende sie dahin und wende sie dorthin!״ wird in Aboth de Rabbi Nathan XII, 11 als ein Satz Hillels mitgeteilt, und ganz besonders spricht Hillel selbst an derselben Stelle den Satz des Ben He-He: ״Der Mühe entsprechend ist der Lohn״ als einen seiner Sätze an. Es wird dort (XII, 12) Folgendes erzählt: ״Hillel traf einmal auf einer Reise Leute, die Weizen mit sich führten, und fragte sie nach dem Preis. Das Mass sollte zwei Denare kosten. Bald darauf traf er eine zweite Gruppe und stellte an sie dieselbe Frage. Diese verlangten drei Denare. Hillel machte sie auf das Wucherische ihres Verlangens aufmerksam, da ihre Kollegen nur zwei Denare verlangten. Da wurden die Leute grob und sagten: ״Tölpelhafter Babylonier, weisst Du denn nicht, dass der Mühe der Lohn entsprechen muss?״ Da antwortet Hillel: ״Ihr Törichten, mit dem Wort, das ich Euch gelehrt habe, wollt Ihr mir erwidern?״ Hillel liess sich nicht abbringen, redete ihnen zu und führte sie zum Guten zurück, d. h. zum Aufgeben ihrer wucherischen Forderungen“. Wir haben Hillel bisher als einen Mann des Geistes, wie des Gemütes kennen gelernt, als einen Menschen der reinsten und