Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 157)
- Language
- German
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154 stehen; zehn Meilen kosten einen Sus, elf Meilen kosten schon zwei Susa. In einem anderen Falle ist es wieder Ben He-H6, der eine Schwierigkeit in dem Vers des Predigers 1, 15 findet. Dort heisst es: ״Gekrümmtes kann nicht mehr gerade gemacht werden; Mangelndes kann nicht mitgezählt werden“. Ganz logisch meint der Frager, dass, entsprechend dem ersten Versglied, es heissen müsste: ״Mangelndes kann nicht aufgefüllt, nicht ergänzt werden‘4.‘ Billel rechtfertigt den Ausdruck durch Heranziehen eines spezifisehen konkreten Beispiels. Der Vers ziele auf einen Menschen ab, den seine Genossen zu einer verdienstlichen Pflichtübung als Teilnehmer hinzugezählt haben und ״der, wenn er sich selber nicht zu ihnen bei der Ausführung hinzugesellt, später bei der Belohnung unmöglich mitgezählt werden könne. Dass ein so grosser Lehrer auch über einen Stab würdiger Schüler verfügt, versteht sich von selbst. Der Talmud berichtet an verschiedenen Stellen, dass Hillel achtzig hervorragende Schüler (nach Jeruschalmi Chagigah V, 4 sogar 80 Schülerpaare) besessen habe, von denen 30 würdig gewesen seien, dass die Gottheit auf ihnen ruhe, wie auf Moscheh, unserem grossen Lehrer, weitere 30, dass ihnen Wunder widerfahren, wie Josua, während 20 einen guten Durchschnitt dargestellt hätten. Der grösste von ihnen sei Jonathan ben Usiel, der Verfasser der aramäischen Übersetzung zur Thorah, gewesen, der kleinste Rabbi Jochanan ben Sakkai. Aber, wie ein rechter Pädagoge habe Hillel mit scharfem, fast prophetischem Blick die künftige Bedeutung gerade Rabbi Jochanans ben Sakkai richtig erkannt und von ihm gesagt, dass er der Vater der Weisheit, der Vater der Geschlechter sein würde (Sukkah 28 a, Sanhedrin 11a, Baba bathra 134a, Jer. Chagigah V, 4). Als ein richtiger Aggadist versteht es Hillel, uns durch Schilderang der Seelenkämpfe biblischer Helden manches Thorahwort in sinniger und inniger Weise zu erklären. Wenn Genesis 16, 1 Gott dem Stammvater Abraham nach der Errettung Lots aus der Hand seiner Feinde zuruft: ״Fürchte Dich nicht, Abraham!“, so erklärt uns Hillel (Pirke de Rabbi Elieser 27) diesen beruhigenden Zuruf mit den Zweifeln, die Abrahams Seeele lebhaft quälten, ob denn unter den vielen Menschen, die er im Kampfe getötet hatte, nicht doch wenigstens ein Gerechter gewesen sein könne.