Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 156)
- Language
- German
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153 sie ihren Lehrer alsdann auf den Widerspruch aufmerksam machten, habe er sich stets mit der Bemerkung entschuldigt, dass, wenn er schon das vergessen habe, was seine Augen gesehen hätten, es nicht zu verwundern sei, dass er das vergessen habe, was er mit seinen Ohren gehört habe. Der Gesichtssinn hält energischer fest als das Ohr. Seine Absicht war aber die Aneiferung seiner Schüler," alles Gelernte recht häufig zu wiederholen. Sagt doch Babbi Josua: ״Wer Thorah lernt und wieder vergisst, gleicht einer Frau, die ein Kind gebiert und begräbt“. An allen diesen Stellen wird übrigens nach einer Ueberlieferung dieses pädagogische Verfahren Hillels Schüler Rabbi Jochanan ben Sakkai zugeschrieben. Jedenfalls sehen wir, dass auch auf dem Gebiete der Pädagogik Hillel vielfach heilsame praktische Winke gegeben hat. Mit dem Kapitel der Pädagogik hängt auch mehr oder weniger die Art und Weise der Bibelerklärung Hillels zusammen. Er bedient sich zur Erklärung meist eines erläuternden, den ganzen Sachverhalt anschaulich beleuchtenden Bildes oder eines konkreten Beispiels. Das ist aber wirklich eine sehr empfehlenswerte Lehrmethode. Ben He-He hatte Hillel gefragt, was die scheinbar doch ganz zwecklose Häufung von Prädikaten in dem Verse des Propheten Maleachi 3, 18 sagen wolle, wo es heisst: ״Und ihr werdet wiederum den Unterschied schauen zwischen dem Gerechten und dem Frevler, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient“. Ben He-He meint, zwischen dem Gerechten und dem, der Gott dient, könne ebenso wenig ein Unterschied bestehen, wie zwischen dem Frevler und dem, der Gott nicht dient* Nein, sagt Hillel, der Gott dient und der Gott nicht dient, seien beide vollständige Gerechte, und es bestehe zwischen ihnen nur ein Gradunterschied; denn es gleiche derjenige, der einen Abschnitt 100 Male gelernt habe, nicht demjenigen, der ihn 101 Male gelernt habe. Als nun Ben He-He erstaunt fragte, ob denn wirklich der eine einzige Fall einer vermehrten Tätigkeit es rechtfertigen könne, den einen einen Gottesdiener zu nennen und dem anderen dieses Prädikat abzusprechen, da antwortete Hillel: ״Gehe hin und sieh Dich einmal auf der Frachtbörse um, wo die Eseltreiber