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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 153

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 153)
Language
German
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150 tneine Erniedrigung, meine Erniedrigung ist meine Erhöhung". Angesichts der Klippen und Gefahren, die das Leben bis zu seinem Ende für die Sittlichkeit auch des gefestigtsten Menschen mit sich bringt, mahnt er (Aboth II, 5): ״Glaube nicht an Dich selber bis zum Tag Deines Todes!" Hilleis Menschenliebe erreicht in der Verbreitung von Wissen und Bildung wohl ihren edelsten Ausdruck; aber sie beschränkt sich keineswegs darauf. Früher arm, erfreute er sich als Patriarch günstigerer Verhältnisse und war ein Engel an Wohltätigkeit. Dabei nahm er ganz besonders auf das Gefühl des Armen und auf dessen frühere Verhältnisse eine weitgehende Rücksicht. Der Talmud (Kethuboth 67 b; Tosifta Peah 4, 10) erzählt, dass Hillel einem Verarmten einst ein Pferd zur Verfügung (gestellt habe, um darauf zu reiten, und einen Sklaven, damit dieser, wie früher, vor dem vornehmen Mann einhergehe. Als er einmal keinen Sklaven fand, sei er selber [drei Meilen weit vor ihm jeinhergegangen, als ob er sein Diener sei. Ganz besonders äusserte sich Hilleis Menschenliebe in der Wertschätzung des Friedens. Hier ruft er uns die Mahnung zu (Aboth I, 12): ״Sei von den Schülern Aharons, liebe den Frieden und jage dem Frieden nach!״ Für den Frieden hinwiederum wirkte er besonders durch die Empfehlung einer vorsichtigen und wohlwollenden Beurteilung der Menschen. Er sagt (Aboth II, 5): ״Verurteile Deinen Nebenmenschen nicht, ehe Du in seine Lage gekommen bist!" Ein praktisches Beispiel solch vorsichtigen und wohlwollenden Urteils wird uns (Derech Erez II) erzählt. Hillel hatte für einen Gast eine Mahlzeit zubereiten lassen. Schon sassen sie bei Tisch. Da kam ein Armer und klagte, dass er heute Hochzeit feiern wolle und keine Mahlzeit zur Verfügung habe. Unverzüglich übergab Hillels würdige Gattin die vorbereitete Mahlzeit dem Armen und bereitete rasch für den Gast ein anderes Essen. Als Hillel nun fragte, warum sie nicht sofort die Mahlzeit aufgetragen habe, da erzählte sie ihm das ganze Begebnis. Hillel antwortete: ״Meine Tochter, ich habe Dich auch nicht zur Verschuldung, sondern zum Guten beurteilt; denn alle Handlungen, die Du bis jetzt ausgeführt hast, hast Du nur im Namen des Himmels ausgeführt“. Hier sehen wir, wie der Geist der Menschenliebe und Wohltätigkeit sich auch dem ganzen Hause Hillels mitgeteilt hatte.

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