Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 151)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3486266-3486293--5003-3491373- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
148 - ן sehenden Reiches kennt? So musst auch Du erst die Gesetze Deines künftigen Amtsbereiches kennen lernen.44 Er las mit ihm die Bestimmungen des Hohenpriestertums und, als er zu dem Vers kam: ״Und der Fremde, der sich naht, soll getötet werden!44, da fragte der Heide Hillel, auf wen dieser Vers abziele. Hillel autwortete ihm, er treffe selbst den König David, der ja nicht ein Abkömmling Aharons sei. Und nun sagte sich der Heide, wenn das von ganz Israel, dem Erwählten Gottes, gelte, er ein ganz unberechtigtes Verlangen gestellt habe, und er trat dennoch zum Judentum über. Der Talmud (Sabbath 30 b) berichtet noch, dass die drei Proselyten sich später getroffen und den Ausspruch getan hätten: ״Der Jähzorn Schammais wollte uns zur Welt hinausstossen; die demutsvolle Gelassenheit Hilleis hat uns unter die Fittiche der Gottheit geführt“. In den Aboth de Rabbi Nathan XV, 3 wird noch berichtet, dass dem einen der Proselyten zwei Söhne geboren wurden und dass er denselben aus Dankbarkeit die Namen Hillel und Gamaliel gab. Man nannte dieselben im Volke allgemein die Pro־ selyten Hilleis. Die Geduld und Gelassenheit Hillels, die er in allen diesen Fällen jenen Heiden gegenüber bewährte, war derart als mustergiltig bekannt, dass eines Tages ein Mann eine Wette um 400 Gulden einging, dass es ihm gelingen würde, Hillel zu erzürnen und י aus der Fassung zu bringen. Was tat er? An einem Freitag nachmittag, da er wusste, dass Hillel im Bade sei, kam er ange־ stürmt, klopfte ungestüm an die Türe und fragte in formloser und pöbelhafter Art: ״Ist Hillel da? Ist Hillel da?4‘ Hillel hüllte sich in ein Gewand und frug ihn liebevoll: ״Mein Sohn, was wünschest Du?“ Er stellte an den Patriarchen eine ganz belanglose, zum Teil sogar beleidigende Frage, nämlich warum die Babylonier so unförmige Köpfe hätten. Hillel gab ihm darauf eine ernste, sach־ gemässe Antwort und lobte noch die Wichtigkeit seiner Frage. Das wiederholte der Mann genau in derselben Weise noch zweimal und zwar immer wieder, wenn Hillel von neuem das Bad aufgesucht hatte. Seine Fragen waren immer genau von demselben Charakter, wie das erste Mal. Er fragte, warum die Palmyrener Triefaugen, die Afrikaner unförmlich grosse Füsse hätten. Wiederum gab ihm Hillel eine ernste, naturwissenschaftlich begründete Antwort. Da der Mann sah, dass er nicht zu seinem