Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 150)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486293--5002-3491372- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
147 Der zweite Fall des Proselyten spielte sich folgendermassen ab. Ein Heide kam zuerst zu Schammai, der ihn erzürnt abwies, und dann zu Hillel mit der Frage, wie viele Lehrquellen das Judentum besitze, und als man ihm antwortete, dass es deren zwei gebe, eine mündliche und eine schriftliche, da erklärte er, er glaube wohl an die schriftliche Lehre, nicht aber an die mündliche, und er sei bereit, das Judentum anzunehmen unter der Bedingung, dass ihm das Erlernen der mündlichen Lehre erlassen bliebe. Hillel lehrte ihn nun am ersten Tage das hebräische Alphabet in der überlieferten Reihenfolge, am folgenden Tage änderte er die Reihe. Al» der Heide verwundert sagte, ״Gestern hast Du es mich doch anders gelehrt", entgegnete Hillel: ״So wie Du Dich in dieser Frage auf mich verlassen hast, so verlasse Dich in Bezug auf die mündliche Lehre auch auf mich!“ Hillel wollte damit sagen, dass die Unter- Weisung in der Schrift die mündliche Erklärung unbedingt voraussetzt. Auch dieser Heide war infolge der demutsvollen, klugen Gelassenheit Hilleis für das Judentum gewonnen 1). Nicht minder klug und vorausschauend benahm sich Hillel einem dritten Heiden gegenüber, der den Wunsch hatte, Jude zu werden, unter der Bedingung freilich, dass man ihn zum Hohenpriester wähle. Er hatte nämlich die Vorlesung von dem Amtsschmuck des Hohenpriesters gehört, und diese hatte auf ihn den tiefsten Eindruck gemacht. Auch ihn wies Schammai ab. Hillel aber sagte zu ihm: ״Wird man denn einen König aufstellen, der nicht die Gesetze des von ihm zu beherrmenden Satz: ואהבת לרעך כמוך» Während sonst die Konstruktion mit אה durchgängig gebräuchlich ist, geradezu [zu der Uebersetzung und Erklärung zwingt: ״Da sollst für Deinen Nächsten* das lieben, was Du für Dich seihst liebst!“ Ibn Esra sagt: 1 לנפשוD3 שיאהב הטוב לחבירי• Dadurch ist es nun vollständig ausgeschlossen, das Wort anders als im Sinne der tätigen Lieb• zu fassen, wie es die Interpreten der jüdischen Religion alle tun, und ea er־ hellt noch deutlicher, dass das Wort Hilleis an den Heiden die negative Fassung des Gebots der werktätigen Menschenliebe ist. x) Es ist interessant, hervorzuheben, dass einige Forscher, so Backe! in seiner Aggadah der Tannaiten, die Vermutung ausepreehen, die am Ende von Aboth Perek V erwähnten Ben Bag-Bag und Ben He-He seien Söhne dieses Proselyten, der von diesem Vorkommnis diese Namen erhalten habe (= der Mann, dem man die Reihenfolge des ב und 3 beigebracht hat, der belehrt wurde, dass eben ה ei® ה ist)• #