Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 149)
- Language
- German
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146 unsinnigen Bedingungen, zum Judentum zu bekehren. Nur die Gelassenheit und Demut Hilleis, der den theoretischen Satz aufstellt (Aboth II, 5), ״ein Jähzorniger kann nicht Lehrer sein“, nur seine sprichwörtlich gewordene Geduld gewann diese Heiden für die jüdische Lehre, während Schammai, wie diese Heiden selber sagten, sie durch seinen Mangel an Geduld, durch seine Schroffheit bei ihrem Irrtum belassen hätte. In dem einen Fall verlangt ein Heide, dass ihm Schammai und nach ihm Hillel den Lehrinhalt des Judentums mitteilen solle, während er sich auf einem Bein stehend erhalten könne. Schamma wies ihn ab. Hillel sagte ihm: ״Was Dir verhasst ist, wenn es Dir ein anderer tut, das tue auch Du nicht Deinem Genossen. Das ist die ganze Thorah, alles andere ist Erklärung. Nun gehe hin und lerne!“ Es ist ganz klar, dass dieses Wort die negative Fassung des Gebotes der allgemeinen Menschenliebe ist, die Hillel somit als die Hauptlehre des Judentums bezeichnet, während er in dem obigen Satz: ״Liebe die Geschöpfe und führe sie zur Thorah hin!“ den Satz im Sinne der Thorah positiv fasst-. Von hier aus betrachtet steht doch ganz unzweifelhaft die Tatsache fest, dass für die allgemeine Nächstenliebe nicht das Christentum, sondern das Judentum die Priorität beanspruchen kann und darf. Und wahrlich es mutet eigentümlich genug an, wenn ein Gelehrter von dem Rang eines Harnack, der nicht umhin kann, der wissenschaftlichen Wahrheit die Ehre zu geben, nun dennoch behauptet, dass die der Ethik des Christentums nicht nachstehende Ethik des Judentums im Wust des Rituellen verschüttet gewesen sei und dass die neue Lehre erst der Menschenliebe zu ihrem Rechte hätte verhelfen müssen. Hillel, der Patriarch, ist Meister auf dem Gebiete der rituellen Bestimmungen, und dennoch erklärt er die allgemeine Menschenliebe mindestens 60 Jahre vor dem Stifter der neuen Lehre als den Extrakt des ganzen Judentums. Und mutet es uns nicht geradezu modern an, wenn Hillel die wahre Menschenliebe in der Beförderung der Bildung, der Sittlichkeit bei den Geschöpfen erfüllt sieht2)? l) Nebenbei sei bemerkt, dass man längst nachgewiesen hat, dass für aüe Sätze der Bergpredigt sieh die Parallelsätze im Talmud finden. *) Schon Ibn Esra im Bibelkommentar zur Stelle macht darauf aufmerk־ saxn, dass die Konstruktion des Zeitwortes 1 אהב* *k ל in dem in Frage kom-