Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 148)
- Language
- German
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145 Dienerschaft mehrt, mehrt den Raub. Wer die Thora mehrt, mehrt das Leben5 wer die Schulen mehrt, mehrt die Weisheit; wer Ratserteilung mehrt, mehrt die Einsicht; wer Gerechtigkeit mehrt, mehrt den Frieden. Wer sich einen guten Namen erwirbt, bat ihn Ihr sich selbst erworben.u Unmittelbar vorher sagt er: ״Wer sieh zu viel mit Waren und Geschäft abgibt, wird kein Weiser4״ (Aboth II, 5). Dieses Bewusstsein der höheren Abkunft des Menschen lässt ihn als höchstes Gut, das wir erstreben und auch für andere zu gewinnen bedacht sein sollen, Wissen und Bildung, die letztere sowohl im Sinne der geistigen Bereicherung als auch im Sinne der Herzens Veredlung, mit einem Wort, im Sinne der Ertüchtigung in der Thorah, empfehlen und begeistert preisen. Hillel erklärt (Aboth II, 5): ״Ein Unwissender kann nicht sündenscheu, ein Roher (einer vom gemeinen Volk) kein Menschenfreund und darum kein Frommer sein11. Er sagt weiterhin (Aboth 1,13), dass der, der nicht an Wissen zunimmt, abnimmt, und dass der, der andere nicht belehren will, des Todes schuldig ist. Er warnt davor, die heilige Pflicht des Lernens verschieben zu wollen; denn ״wer spricht, wenn ich Müsse haben werde, werde ich lernen, wird nie Müsse dazu haben* (Aboth 11,4). ״Wenn nicht jetzt, wann denn?1״ lautet ein epigrammatischer Satz (Aboth II, 14). Die Pflicht der uneingeschränkten Menschenliebe ist für Hillel der Angelpunkt der ganzen jüdischen Religion. Wir werden darüber des weiteren zu sprechen haben. Als den Gipfelpunkt der praktischen Menschenliebe betrachtet es Hillel, wenn wir Wissen und Bildung den Menschen vermitteln. Er sagt (Aboth I, 12): ״Liebe die Geschöpfe und führe sie zur Thorah hin“. Bedeutungsvoll ist bei diesem Mahnwort, was eine besondere Betonung erfordert, dass er sagt: ״Liebe die Geschöpfe“. Dadurch stellt er die von feindlicher Seite so oft mit Unrecht angefochtene Wahrheit fest, dass die von der Thorah gebotene Menschenliebe alle Menschen umfasst. Hillel zeigt auch hier, dass sein praktisches Verhalten durchaus seinen Lehren entspricht. Das ist ja die wohltuendste Beobachtung bei Hilleis Wesen, dass er in voller Wahrhaftigkeit und Folgerichtigkeit als ein verehrungswürdiger Cbarakter die unbedingte Übereinstimmung von Lehre und Lehen anstrebt und erreicht. Es wird uns von drei Fällen erzählt, in denen Heiden an Schammai und Hillel herantraten, um sie, zum Teil unter recht Jahrbuch J. L. 6. XU. 1•