Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 146)
- Language
- German
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143 der Freude teilnimmt, die Teilnahme des ganzen Volkes begründet sieht. Man darf wohl daran denken, €ass Hillel einfach dem Gedanken Ausdruck verleihen will, dass man auch bei der Freude mit seinem ganzen Ich teilnehmen muss, dass eine halbe, laue Betätigung den Wert der Teilnahme in Frage stellen. Der Satz findet alsdann seine Erklärung in dem anderen (Aboth I, 14): ״Wenn ich nicht’ für mich bin, wer wäre dann für mich?״ So spricht aber sicher niemand und so handelt niemand, der von Trübsinn, Weltflucht und Lebensverneinung erfüllt ist. Der Midrasch (Wajikra rabba 34, 3) fragt einmal: Wen meint der Spruchvers, wenn er sagt: ״Wer seiner Seele wohltut, der ist ein frommer Mann״? Er antwortet: ״Hillel, den Alten; denn wenn er sich von seinen Schülern, die ihn ein Stück Weges begleiteten, verabschieden wollte, fragten ihn diese: ״Wohin gehst Du jetzt?״ Er antwortete ihnen: ״Ich will ein göttliches Gebot erfüllen״. Auf ihre Frage, was das für ein Gebot sei, antwortete er, er wolle im Badehaus ein Bad nehmen. Wenn die Schüler dann verwundert fragten, ob denn das Baden ein göttliches Gebot sei, da antwortete er mit folgendem Gleichnis: ״Wenn für die würdige Instandhaltung der Königsbilder in Theatern und im Zirkus eigene Beamte aufgestellt werden, die darüber wachen müssen, dass dieselben gesäubert und blank gerieben werden, wenn weiterhin diese Beamten aus öffentlichen Mitteln ernährt und erhalten werden, ja, wenn dieselben sogar eine geachtete Stellung unter den Grossen des Reiches einnehmen, sollte da nicht auch ich, der ich im göttlichen Ebenbilde geschaffen bin, verpflichtet sein, für eine würdige Haltung und Gestaltung des Körpers, der der Träger des göttlichen Ebenbildes ist, zu sorgen?״ Noch in anderer Form wird an derselben Stelle die Antwort auf die Frage nach dem wohltätigen Mann, der seiner Seele wohltut, mitgeteilt. Hillel ist der Mann. Wenn ihn seine Schüler bei seiner Verabschiedung fragten, wohin er gehe, da sagte er, er wolle einen Akt der Wohltätigkeit begehen gegenüber dem Gast in seinem Hause. ״Hast du denn Tag für Tag einen Gast?״ Hillel antwortet: ״Ist denn diese bedauernswerte Seele nicht ein Gast im Körper? Diesen Tag ist sie hier, morgen ist sie schon nicht mehr hier״. Diese peinliche, sorgsame Rücksicht auf das Wohl des Körpers wie der Seele ist nicht minder ein Beweis einer gesunden, leben-