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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 144

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 144)
Language
German
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141 singen darf. Beth Hillel sagen, man dürfe, um nicht die guten Beziehungen zu den Menschen zu stören, die man doch pflichtge־ mäss aufrecht erhalten soll, immer sagen: ״Das ist eine schöne anmutige Braut״, auch wenn es nicht ganz den Tatsachen entspricht. Beth Schammai sagen, man dürfe die Braut nur insofern loben, als dieses Lob durch ihre tatsächlichen Vorzüge gerechtfertigt ist. Nun finden wir einen ganz bestimmten praktischen Fall, in dem Hillel, der Patriarch, sich an die Auflassung der Beth Hillel hinsichtlich der Notlüge hält. Es ist nämlich ein Streit zwischen den beiden Schulen, ob man ein Ganzopfer an den Feiertagen darbringen darf oder nicht (Bezah II, 4). Es handelt sich dabei wiederum um eine alte Streitfrage, die schon frühere Geschlechter beschäftigte und in der auch Hillel und Schammai einen entgegengesetzten Standpunkt einnehmen, ob es am Feiertag erlaubt ist, die beim Opfer vorgeschriebene Ceremonie des Handauflegens vorzunchmen. Schammai verneint es, Hillel erlaubt es. Demgemäss erlauben die Beth Schammai nur ein Friedensopfer ohne die Ceremonie des Handauflegens, verbieten das Ganzopfer aber durchaus, während Beth Hillel beide Arten mit Handauflegen gestatten. Nun wird uns im Talmud erzählt, dass Hillel an einem Festtag sein Ganzopfer in den Tempelvorhof brachte, um die Ceremonie des Handanflegens zu vollziehen. Da kamen die Schüler Schammais heran und fragten, was es für ein Bewandtnis mit diesem Tiere hätte. Hillel sagte, es sei ein weibliches Tier, (das zum Ganzopfer gar nicht gebraucht werden kann), und er bringe es als Friedensopfer. Dabei wedelte er mit dem Schwanz des Tieres hin und her, um seine Gegner über das Geschlecht des Tieres im Unklaren zu halten. Er gebrauchte hier, um den Frieden nicht zu stören, um die guten Be- Ziehungen aufrecht zu erhalten, eine Notlüge, ganz im Sinne seiner Schule, deren Anschauung also auch die seinige ist1). *) Franz Delitzsch in seiner Schrift ״Jesus und Hillel״ hat sieh zum richtigen Verständnis dieser Stelle nicht durchgerungen. Er sucht» offenbar durch einen Geigerschen Vergleich gereizt, Hillel niedriger zu stellen und ihm aus diesem Verhalten einen Mangel an Entschiedenheit vorzuwerfen, was natürlich ganz falsch ist. Diese Tendenz Deützseh’s ist auch daraus ersiehthch, dass er ans den Erörterungen der Gemara hinsichtlich der Kontroverse bezüglieh des am Feiertag gelegten Eies, an der die Beth Hillel beteiligt sind,

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