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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 141

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 141)
Language
German
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nicht die Synhedriaipräsidenten, die B’ne Bethera, ob man am Sabbath das Pesachopfer darbringen dürfe. Da wies man aus der versammelten Volksmenge auf Hillel, den Babylonier, hin, der lange Zeit im Verkehr mit den grossen Lehrern Schemaja und Abtaljon gestanden habe und der ganz gewiss Aufschluss zu geben in der Lage sei. Man hatte sich in dieser Erwartung nicht getauscht. Hillel wurde herbeigerufen, und erklärte, dass nicht nur auf Grund der von ihm überlieferten sieben Deutungsregeln, sondern auch auf Grund direkter Ueberlieferung seiner Lehrer Schemaja und Abtaljon ebenso wie das beständige, tägliche Ganzopfer auch das Pesachopfer am Sabbath dargebracht werden dürfe. Unter der Wirkung dieser so bestimmt begründeten Entscheidung erklärten die B’ne Bethera, von ihrem Amt zurückzutreten und Hillel zur Würde des Synhedriaipräsidenten zu erheben. Hillel war keineswegs in hochgestimmte Freude ob seiner Würde versetzt; im Gegenteil, von dem Gefühl schwerer Verantwortlichkeit gedrückt, machte er seinen palästinensischen Kollegen herbe Vorwürfe darüber, dass nur sie durch Trägheit und Lässigkeit, mit der sie den Belehrungen und Ueberlieferungen Schömajas und Abtaljons einst gegenüberstanden, die auch für ihn peinliche Notwendigkeit verursacht hätten, dass ein Babylonier an die Spitze, des Synhedrin treten müsse. Den ganzen Tag, so berichtet der Talmud (Pesachim 66 a), habe Hillel seinem Unmut Ausdruck verliehen. Eine Ueberlieferung im Zusammenhang mit dem Pesachopfer hatte freilich, wie der Talmud berichtet, auch er vergessen; doch war Hillel überzeugt, dass die praktische Behandl0g des Falles durch das Volk abgewartet werden dürfe und er sich dann wieder der Ueberlieferung erinnern werde. Darin hatte er sich nicht geirrt 1). Hillel war also nunmehr Präsident des Synhedrin und die B’ne Bethera traten zurück. Sie waren, als nach Schemajas und Abtaljons Tod durch die römische Gewaltpolitik unter Gabinius durch l) Es betraf diese Halaehah den Fall, dass man versäumt hatte, schon vor dem Sabbath das Messer zum Schlachten des Opfers in den Tempel zu bringen. Wie sollte da verfahren werden? Die Frage löste sich in der Praxis in der Weise, dass man dasselbe, in die Wolle des Lammes oder zwischen die Hörner des Zickleins hineingesteckt, dureh das Opfertier selber nach dem Tempel tragen liess. Durch diese Praxis des Volkes erinnerte sieh Hillel, dass die Halaehah tatsächlich so laute.

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