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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 140

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 140)
Language
German
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137 es offenbar vorher an der nötigen Unterstützung habe fehlen lassen; es wird ihm eine wohlverdiente Rüge erteilt. Hillel selber war in der Zeit, in der er erstmals in Palästina weilte, jedenfalls sehr arm, und doch hinderte ihn seine Armut nicht, in Hingebung und in voller Selbstverleugnung zu lernen und sich zu vervollkommnen. Der Talmud (Joma 35 b) prägt von ihm das vielsagende Wort: ״Hillel führt die Armen zur Verurteilung״, d. h. diejenigen Armen, die ihre Armut als Entschuldigung für ihr mangelndes Thorah-Lemen einst vor dem Richterstuhl Gottes anzuführen gedächten. Gott wird ihnen entgegen halten: ״Kann es einen so armen Menschen wie Hillel geben? Und doch wird von ihm erzählt, dass er, der als Wasserschöpfer täglich nur ein Tropaikon*) verdiente, die Hälfte davon zur Ernährung seiner selbst und seiner Familie verwendete, während er die andere Hälfte als Eintrittsgeld ins Lehrhaus entrichtete. Eines Tages hatte er nichts verdient. Da sei er, weil ihm der Türhüter den Einlass nicht gewähren wollte, aufs Dach des Lehrhauses geklettert, um von dort die Worte des lebendigen Gottes aus dem Munde Schema]as und Abtaljons zu hören. Es war das an einem Rüsttag des Sabbaths im Monat Tebeth. An diesem Tage fiel reichlicher Schnee. Am anderen Morgen fand man ihn erstarrt noch immer auf dem Dache liegen, und es bedurfte grosser Anstrengungen, um ihn wieder ins Leben zurückzurufen. Jedenfalls sagte man damals von ihm: ״Dieser Mann ist würdig, dass man um seinetwillen den Sabbath entweiht״. e. Ein solch brennender Lerneifer, eine derart selbstverleugnende Hingabe an das Hohe und Heilige findet immer ihre Belohnung. Und auch Hillel durfte das erfahren. Sein Lerneifer und seine schon durch seine Auswanderung nach Palästina bekundete Traditionstreue trugen ihm das' ehrenvolle Amt des Patriarchen ein. Wie das kam, ist merkwürdig genug, wird uns aber an drei verschiedenen Stellen übereinstimmend erzählt, so dass an der Tatsache nicht gezweifelt werden kann. In dem Jahre, um das es sich hier handelt, fiel der Rüsttag des Pesachfestes auf einen Sabbath, und niemand wusste, auch ף Ungefähr 67 Pfennige, da das Tropaikon nach Kethnboth 64 a einem halben Sas, d. h. einem halben Silberdenar entspricht.

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