Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 138)
- Language
- German
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135 ״Wehe über den Menschenfreund, wehe über den Bescheidenen, den Schüler Esras!tt Und wiederum habe man mit denselben Worten über Samuel, den Jüngeren, geklagt, der in gleicher Weise durch eine göttliche Stimme gewürdigt worden sei, und habe bei ihm noch hinzugefügt: ״Wehej über den Menschenfreund, den Bescheidenen, den Schüler Hilleis״. In der Tat stellt der Talmud Hillel dem grossen Neubegründer des Judentums, dem Wiederhersteller des Gesetzes in Israel, nämlieh Esra, an die Seite. Besch Lakisch sagt (Sukka 20 a): ״Zu? erst, als die Thorah in Israel vergessen war, zog Esra von Babel herauf und begründete sie von neuem. Als sie dasselbe Schicksal abermals erfuhr, zog Hillel von Babel nach Palästina und schuf ihr einen festen Bestand14. Es blieb nach dem Gesagten also nicht erst der späteren Zeit die Würdigung Hilleis Vorbehalten; auch seine Zeitgenossen hatten schon den rechten Massstab für seine Grösse gefunden. Die Zeit Hillels lässt sich mit ziemlicher Sicherheit aus verbürgten talmudischen Nachrichten feststellen. Der Sifre (Ende) zählt unter den vier jüdischen Heroen, die ein Alter von 120 Jahren erreicht haben, den Patriarchen Hillel auf. Er berichtet weiter, dass Hillel das erste Mal im Alter von 40 Jahren nach Palästina gezogen sei, dass er dort 40 Jahre in der Ausbildung und im Verkehr mit den Weisen stand und dass er weitere 40 Jahre Israel als Lehrer und Führer versorgt habe. Der Grund, warum Hillel aus Babel nach Palästina zog, obwohl dort nach den Feststellungen neuester Forschungen, zumal nach Halevys Doroth harischonim, die Thorah-Wissenschaft liebevoll und energisch gepflegt wurde, lag nach der Mitteilung des jernsalemischen Talmuds (Pesachim VI Halacha 1) in dem Wunsch, über drei Fragen die massgebende Entscheidung zu erhalten, die er in dem Lehrhause des bedeutenden Gelehrtenpaares Schemaja und Abtaljon sicher zu erfahren hofien durfte. Es handelte sich um eine Frage bezüglich der Aussatzplagen, um die zum Pesach-Opfer verwendbaren Tiergattungen und um die Dauer der Pflicht des Genusses der ungesäuerten Brote. Eine andere talmudische Nachricht (Sabbath 15 a) berichtet nun, dass die letzten 100 Jahre vor der Tempelzerstörung durca