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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 137

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 137)
Language
German
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134 Talmud von ihm überliefert sind, die erhabenste Auffassung des Judentums erkennen lässt und jene mustergiltige Ethik aufstellt, die als der Extrakt der Thorah niemals und nirgends überboten werden kann. Gerade mit Rücksicht auf diese seine Auffassung des Judentums und im Hinblick auf seine ethischen Grundsätze, deren Dar- Stellung diese Arbeit ganz besonders gilt, gewinnt Hillel für uns um so grössere Bedeutung, als derselbe, um ein halbes Jahrhundert älter als der Stifter der christlichen Religion, uns zu zeigen vermag, dass nicht etwa erst im Christentum, sondern tatsächlich im Judentum der Höhepunkt sittlicher Lebens- und Pflichten-Auffassung erreicht ist. Und gerade dieser Punkt ist für die vergleichende Religionsgeschichte von unendlicher Wichtigkeit. Wenn der Umstand zu allen Zeiten für die Grösse eines Mannes spricht, dass sich frühzeitig Sagen um seine Persönlichkeit spinnen, 80 ist für Hillel der Beweis seiner überragenden Grösse tatsächlich erbracht. Im Traktat Sophrim XIII, 9 wird die Frage gestellt, von wem Rabbi Jochanan ben Sakkai seine grosse Weisheit erlangt habe, und es wird darauf geantwortet, von Hillel und Schammai. Die Stelle fährt dann fort: ״Man erzählt von Hillel, dass er kein Wort der Weisen und der Wissenschaft ausser acht gelassen habe, das er sich nicht angeeignet hätte; alle Sprachen habe er erlernt, auch die Sprache der Berge, Hügel und Täler, die Sprache der Bäume und Kräuter, die Sprache des Gewilds und der Haustiere, die Sprache der Dämonen und alle Sprüche. Und das alles habe er erlernt, um durch solches Wissen die Thorah nach Gottes Willen zu verherrlichen. Eine andere Quelle (Sanhedrin 11a) erzählt folgendes: Seit dem Tode der letzten Propheten sei die Gabe der Prophetie in Israel verloren gegangen; doch habe sich oft noch eine göttliche Stimme eingestellt. Einmal nun wären die Gelehrten im Hause des Gurion in Jericho versammelt gewesen; da habe eine göttliche Stimme sich vernehmen lassen: ״Ist hier einer, der würdig wäre, dass die Gottheit sich auf ihn herablasse, der aber dieses Glück nur um deswillen nicht geniesst, weil sein Geschlecht nicht würdig ist?״ Sofort hätten alle Blicke sich auf Hillel gerichtet. Und nach seinem Tode habe man über ihn die Klage angestimmt;

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