Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 89)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486293--4941-3491311- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
86 Vordergründe stand. Nach drei Richtungen hin suchte man die Lehre von der Bewegung der Himmelskörper für das Leben zu verwerten. Zunächst, und das galt wohl als Hauptzweck, für die Astrologie, und diese erlebte ja gerade gegen Ende des Mittelalters ihre Blütezeit. In zweiter Hinsicht war man auf die Astronomie angewiesen, weil nur sie die Grundlage zu einer genauen und strengen Kalenderkunde und der Zeitbestimmung liefern konnte. Drittens endlich war man von der Bewegung der Gestime abhängig, wollte man, wie schon angedeutet, einen Ort auf der Erde durch geographische Länge und Breite festlegen. Seitdem allerdings die Astrologie allgemein als Irrlehre anerkannt ist, alle kultivierten Länder feststehende Regeln der Chronologie besitzen und bei der in der Gegenwart hoch entwickelten nautischen Kunst hat die Sternkunde ihre praktische Bedeutung im landläufigen Sinne zwar eingebüsst: um so grösseres historisches Interesse dürften die jene Themata behandelnden Kodices aus früheren Zeiten beanspruchen. Es ist aber ungemein auffallend, dass im Gegensatz zu den in lateinischer und arabischer Sprache geschriebenen mittelalterlichen Schriften, welche der Wissenschaft bereits zugänglieh gemacht sind oder noch werden, die in hebräischer Sprache abgefassten Werke über jene Gegenstände bis auf ganz wenige Ausnahmen sämtlich der Vergessenheit anheim gefallen sind. Die Gründe für diese betrübende Tatsache finden wir auseinandergesetzt in einer Schilderung des wissenschaftlichen Lebens auf der pyrenäischen Halbinsel unter der arabischen Herrschaft, wie sie Bensaude in seiner jüngst erschienenen Histoire de la Science nautique Portugaise, Resume S. 28ff. gibt: ״Die geistige Betätigung der Juden auf der pyrenäischen Halbinsel im Mittelalter ist eine in der Geschichte schon lange Zeit bekannte Tatsache. Man kennt seit jeher ihre Beziehungen zur Philosophie, zur Medizin, zur Mathematik und zur Astronomie sowohl aus den von ihnen angefertigten Uebersetzungen anderer wie auch aus ihren Originalarbeiten. Was aber die Mathematik und Astronomie betrifft, so sind diese Beziehungen in den Werken über die Geschichte dieser Wissenscbaft fast vollständig vernachlässigt worden. Man hat wohl von ihnen gesprochen, man hat diesen Fragen spezielle Studien gewidmet, die Geschichtsschreiber der Entdeckungen aber, oder selbst Autoren, welche die Quellen