Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 84)
- Language
- German
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81 lungsweise herleiten, begründeten. Die Grundauffassung, die in der jüdischen Religion nur eine Vorbereitung zum neuen Runde sah, beherrschte natürlich in erster Linie die christlichen Erklärungen des Buches der Bücher. Aber auch abgesehen von dieser Grundauffassung gab es etwas, was Innozenz die Sätze der heiligen Schrift in anderem Lichte erscheinen liess: sein Wille. Nach einigen Vergleichen zwischen den Textstellen und ihrer Anwendung bei Innozenz können wir leicht feststellen, dass Innozenz nicht der Schrift die Gesetze für sein Handeln entnahm. Dieses beruht vielmehr auf seiner Denk- und Anschauungsweise, welcher sein Wille zum Handeln entsprang. Danach legt er den Worten der heiligen Schrift den Sinn unter, der ihm passt. Das berühmteste Beispiel dieser Art ist ja seine Berufung darauf, dass die verschiedene Kleidertracht den Juden durch Moses selbst vorgeschrieben sei 1). Innozenz — nochmals sei es hervorgehoben — war kein Mensch tragischer Konflikte, der durch seine Neigung in einen Gegensatz zur Pflicht gerät, dazu fühlte er sich viel zu mächtig. Der starre Buchstabe der heiligen Schrift sagte ihm nichts, was er nicht wollte. Ebensowenig aber erkennen wir bei ihm nationale Konflikte. Wenn Hauck2) sagt, Frankreich sei ihm ebenso lieb gewesen wie Deutschland verhasst, so gibt er dafür keinen Beweis an. Regründen will er es damit, dass die Erinnerung an die glückliche, in Frankreich verbrachte Jugend und der Gedanke an die in Deutschland herrschende Gewalt den Papst noch erfüllt habe. Das ist aber sehr unwahrscheinlich. Denn Innozenz war keiner von denen, die sich durch Gewalttätigkeit abgestossen fühlten. Die Behandlung der Juden und die Kriege gegen die Albigenser, die er mit ausgesuchter Grausamkeit führen liess, zeugen sehr wenig von Sentimentalität. Innozenz7 Schroffheit hat sich nach den ersten Jahren seines Pontifikats und besonders gegen die südfranzösischen und spanisehen Juden in gesteigertem Masse gekehrt. Da drängt sich ein Gedanke auf, der von Güdemann *) zum Verständnis seiner Perl) S. dazu Güdemann II, S. 80. Vgl. hierzu die Begründung, die Thomas von Aquino dafür angibt, s. oben S. 56. ף a. a. 0. *) Güdemann II, S. 91 ff. Jahrbuch J. L. G. XU. 6