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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 83

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 83)
Language
German
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80 der Verachtung der Welt lebte, so muss mau einen tragischen Konflikt zwischen seiner Gesinnung und seinem Handeln annehmen". Wir könnten noch mehr sagen: Wenn man Innnozenz״ rein menschliche Aeusserungen, zusammengenommen mit den Beweisen seiner Bibelkenntnis und den Warnungen vor Verunglimpfung der Jaden, mit dem Unglück vergleicht, das er über Israel gebracht hat *), 80״ muss man einen tragischen Konflikt zwischen seiner Gesinnung und seinem Handeln annehmen". Aber — das zeigt Innozenz״ politisches und religiöses Leben — dieser Papst war kein Mann tragischer Konflikte. Was aus der ״Verachtung der Welt" gefolgert werden soll, ist nicht, sich zurückzuziehen von ihr, so wenig wie die Askese an sich immer mit Verneinung dieses Lebens gleichbedeutend sein muss. Aus jener Schrift spricht vielmehr der Wille, jedem der Herdenkinder das Gefühl von der Ohnmacht alles Ausserkirchlichen einzuflössen. Der Kirche hat jeder sein Leben zu geben, und ihr gegenüber ist nichts unmöglich, sowohl in physischer wie in moralischer Hinsicht. Dieses ״Ergebnis" der ״Verachtung der Welt" müssen wir im Auge behalten. Innozenz, der ״von der Verachtung der Welt" geschrieben hat, war erfüllt von unstillbarem Machthunger. Dieser Grundzug seines Charakters macht ihn zum Typus seines Zeitalters. Die Negation des Irdischen führt dazu, alles Irdische beherrschen zu wollen. Innozenz״ Verachtung der Welt führte zur gewaltsamen Unterordnung dieser Welt unter die Kirche. Mit Innozenz’ Welt- Verachtung musste auch die Weltflucht der Kirche in das Streben ausarten, die Welt zu beherrschen und dazu Machtmittel zu gewinnen. Innozenz zitiert natürlich sehr oft die Bibel, und besonders die Propheten. Natürlich, sage ich. Denn Innozenz war auch Prediger, und welcher geistliche Prediger seiner Zeit hätte ohne jene Zitate auskommen können? Aber die Zitate waren nur rhetorische Hilfsmittel, die nicht im entferntesten eine Abhängigkeit, wie sie die Juden aus der heiligen Schrift für ihre Hand- *) Bezeichnend für die Auffassung der jüdischen Zeitgenossen ist, dass die Chronik des Ihn Verga Innozenz’ plötzlichen Tod als eine Strafe dafür ansieht, dass er Verleumdungen über Israel verbreitet. Vgl. Grätz VI Note 1IV.

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