Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 82)
- Language
- German
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79 die trennende Kluft über kurz oder lang, noch vor dem 18. Jahrhundert zu überbrüeken. Aber diese Möglichkeit schwand vollständig, als zu den Judenabzeichen Innozenz׳ die Ghettomauern sich gesellten. Galuth-Judentum, nach der optimistischen Ansicht der frommen Juden geschaffen zum Leben inmitten der Völker, wurde zum Ghetto)udentum, unberührt vom Licht, freilich zum Glück auch vom Dunkel der Völker. Kap. V. Innozenz' Persönlichkeit nach seinem Verhältnis zu den Juden. Wir kehren zum Ausgangspunkt unserer Betrachtungen zurück. Innozenz’ Wirken hat — das ist unschwer zu erkennen — Schmach und Tod für die Juden im Gefolge gehabt. Wenn wir jedoch ihn selbst, seinen Charakter erkennen wollen. 80 ergeben sich Schwierigkeiten. Er ist ein Kenner der Propheten, die er in seinen Briefen und Schriften oft zitiert; die Psalmen, das alte Testament nennt er als Quelle der Erhebung; überhaupt scheint ihm das allgemein Menschliche nicht fremd zu sein, wie er in seiner Schrift ״Von der Verachtung der Welt" und durch seine Unterstützung von Krankenhäusern zeigt. Wie lässt sich demgegenüber sein Verfahren gegen die Juden erklären? Mit dem Mittelalter, dessen Sohn er war, wird mancher sagen. Aber das Mittelalter hat bei allen Vorurteilen, die es gezeitigt hat, doch keine Widerspruchsvollen, keine ״problematischen" Naturen bervorgebracht. Und nur darum handelt es sich: Wie erklären sich die Widersprüche bei Innozenz? Freilich müssen wir uns hüten, nach dem Standpunkte, den er auf einem Gebiete eingenommen hat, den ganzen Mann zu beurteilen. Wenn wir aber eine solche Fülle von Aeusserungen bei den verschiedensten Gelegenheiten haben, wie sie von Innozenz über Juden existieren, so ist es doch nicht zu gewagt, zu fragen, wie sich Innozenz im Spiegel seiner Jndenpolitik darstellt Hauck*) urteilt über seinen Charakter: ״Denkt man sich Innozenz als den Mann, der in den Gedanken seiner Schrift von l) Hauck, Kirchengescbichte, IV, S. 718, Leipzig 1913.