Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
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78 genossen auf Veranlassung des Rabbi Salomo von Montpellier angezündet wurde1). Die Art2), wie anf beiden Seiten für und gegen die Richtung des Maimonides gekämpft wurde, steht eine Zeit lang unverkennbar unter dem Zeichen kirchlicher KampfeswTeise, die Solidarität beginnt zu wanken. Judeugemeinden in Frankreich and Italien nehmen die Entscheidung der Regierung gegen andere Gemeinden in Anspruch 3). Diese in der Geschichte des Juden־ tums, dessen Gemeinden immer freudig für einander eintraten, bis in die neueste Zeit ungewöhnlichen Erscheinungen sind ein Niederschlag jener Zeit mit ihrer durch Gewalt gestützten Kirchlichkeit. Diese für das innere jüdische Leben so gefährlichen Erscheinungen gingen aber zum Glück vorüber. Mit der Erlahmung des rein wissenschaftlichen Interesses 4) schwanden die Begleiterscheinungen des Kampfes zwischen Maimonisten und ihren Gegnern, nach Juda Hechassid bahnte sich eine Versöhnung und Verschmelzung mit seiner Lebensauffassung an, und mit dem überragenden Einfluss religiöser Persönlichkeiten setzte die Charakterläuterung sich durch. Das ganze Volk fand durch die fortschrittliche und stärkende Kraft des Willens zum eigenen Leben und den Glauben an seine Lebensfähigkeit sein Selbstbewusstsein. Aber die Spuren, die die Zeit Innozenz* im Verhältnis zur nichtjüdischen Welt Europas hinterlassen hatte, schwanden nicht so bald. Stehen wir doch mit Innozenz an der Grenze zweier Welten. Zu seiner Zeit gab es noch kein Ghetto5). Die Scheidung der Juden von der sie umgebenden Gesellschaft war vorhanden, aber sie sollte noch einen sichtbaren, ich möchte sagen, symbolisehen Ausdruck finden. Diese Gesellschaft betonte die Fremdheit der Juden besonders im Norden, wo diese sich ungestörter auf ihre Eigenart zurückzogen, mehr als im Süden, wo die fortgeschrittene Kultur hinüber und herüber gezogene Fäden spann und bewahrte. Ohne das Ghetto wäre es vielleicht möglich gewesen, 1) Siebe dazu Kottek, Geschichte der Jaden, S. 220. 2) S. Güdeinann I, 67 ff., woselbst Einzelheiten darüber. 8) Vgl Güdemann a. a. 0. und Straus S. 109. 4) Dieser Ausgang des Kampfes hatte wichtige Folgen für die Juden Europas, wie auch Güdemann a. a. O. betont. 5) Vgl. Güdemann II, 102 Anm. 5 gegen Grätz VII, 88.