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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 80

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 80)
Language
German
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77 Gegensatz hätte bestehen müssen. Alles trog subjektiven Charakter, was Juden und Nichtjuden auf gemeinsamem Boden bebauten. Auch das liegt nahe, dass in jener von Verfolgungen so erfüllten Zeit sich auch bei den Juden vielfach Aberglauben breit machte, hie und da auch unehrliches Gewerbe betrieben wurde, das man durch täglich den Juden angetanes Unrecht für entschuldigt hielt, ja dass sogar der Eid unzuverlässig zu werden begann 1). Wer versteht nicht, dass unter der Verstellung, die besonders durch den Einfluss der Ketzerverfolgungen in Spanien, Südfrankreich und Italien durch die vielen Denunzianten gefördert wurde, die Charaktererziehung leiden musste? Die schlichte, grauschwarze Kleidung, die sie als Juden kenntlich machte, mussten sie doch oft, um den Angriffen des Pöbels zu entgehen, ablegen und sich verkleiden, wenn sie sich auf der Strasse zeigen wollten. Mussten sie nicht Kirchenlieder mitsingen und Kirchen besuchen2), um unangefochten zu bleiben? Da lag die Gefahr nahe, dass so manche ethische Forderung des Judentums, das so ohnmächtig darniederlag, nicht beachtet wurde. Da mussten die Rabbiner, die ja nicht nur Seelsorger, sondern vielmehr Vertreter des Volkes waren, für die Forderungen der Religion umso unerbitterlicher eintreten und umso strenger jede Entgleisung von der jüdischen Sitte verurteilen. Handelte man vielfach aus äusserem Zwang, der von den Feinden geübt wurde, so tat es doppelt weh, im Dienste der eigenen Religion unnötigerweise Lässigkeit zu beobachten, während die christliche Kirche sich so machtvoll entfaltete. ״Willst Du Dich selber erkennen, so sieh, wie die andern es treiben; Willst Du die andern verstehen, blick’ in dein eigenes Herz." Von diesem Dichterwort aus begreifen wir psychologisch so manche Intoleranz im Kampf um die Schriften des Maimonides; so kam es, dass der Scheiterhaufen, in dem die Dominikaner die Schriften des Maimonides verbrannten, nach der Stimme der Zeit- Ist dies doch eine Folge, die Innozenz* Wirken nach Hanek IV, 741 auch in Deutschland gezeitigt hat. ל B. d. Fr., No. 220, 200, 201, 703 und Eschkol, DI, 108.

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