Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 79)
- Language
- German
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wenn die Philosophie auch keine epochemachenden Vertreter fand, so wurde sie doch durch den Fabeldichter Jakob ben Eleasar, den Averroesübersetzer Jakob ben Abbamari, die Übersetzungen von Kalonymos ben Kalonymos, Juda ben Moses aus Rom, Nathan Hemati, Seraehja ben Isaak und Hiliel ben Samuel eifrig in Pflege erhalten. Ihre Geistestätigkeit befruchtet und benutzt zugleich die der zeitgenössischea christlichen Gelehrten. Und sogar auf dem Gebiete der Kunst stellen sie Jünger auf. In der jüdischen Poesie, deren hervorragendste Vertreter Immanuel und Kalonymus waren, spiegelt sich das Bildungsideal der neuen Zeit, in den Poeten, die sich nicht blos dichterisch, sondern auch anders betätigten, die Typen der Benaissancemenschen. Fast alle sind universal gebildet. Aber das spezifisch Jüdische ist, dass die Dichter nicht nur zugleich Philosophen and Arzte, sondern auch Grammatiker und Exegeten, und besonders dass sie alle mit dem Talmud und den rabbinischen Wissenschaften sehr vertraut waren Hervorragend auf diesem Gebiet sind Jesaja de Trani, Zedekia ben Abraham und Jechiel ben Jekutiel. Ein Hauptmoment, das zur Stärkung des nationalen Bewusstseins beitrug, bildete die hebräische Sprache, die sie alle als die Sprache der heiligen Schriften kannten. Dabei waren sie allesamt seelisch verknüpft mit Palästina, als dem Lande der Vergangenheit und der Zukunft. Wenu im Jahre 1211 aus Frankreich und England 300 Gelehrte nach Palästina übersiedeln x), so sind sie von demselben Geiste beseelt wie die ersten nach Spanien gewanderten Juden, die den ersten jüdischen Kolonien daselbst palästinensische Namen beilegten, so lebt in ihnen kein anderes Gefühl als in dem Dichter Jehuda Halevi und in dem Denker Moses ben Maimon. Dass das Denken und Fühlen religiösen Charakter trug, entsprach nur dem Wesen des jüdischen Geistes, wäre aber vielleieht nieht 80 bewahrt geblieben ohne den stark kirchlichen Zug der nichtjüdischen Kulturwelt, wodurch eine verstärkende Wechselwirkung hervorgerufen wurde. Das war aber auch der Grand für eine immer mehr fortschreitende Entfremdung zwischen Juden und Nichtjuden selbst auf den Gebieten, wo sachlich kein נ) Graetz VI, Note 1IV.