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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 77

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 77)
Language
German
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leidlich war, zu verbessern. So nur war es möglich, dass sie hier von der Pflicht, Abzeichen zu tragen, entbunden wurden. Im allgemeinen trug aber der Papst und die Kirche in Südfrankreich und Spanien die alleinige Schuld fiir die traurige und rechtlose Unsicherheit der Juden. Denn dort war der Herd der ketzerischeu Ansichten und die Zufluchtsstätte der Albigenser, die unter den Fürsten, wie in Raymund von Toulouse, ausgesprochene Anhänger fanden. Wir wissen, wie erbarmungslos Innozenz alle Mittel anwandte, um jede Spur von Albigenserketzerei zu tilgen. Dass aber nach dem unzweifelhaften Anteil, den ßibelworte, jüdisehe Lehren und Glaubensdisputationen mit Juden an der kritisehen Beurteilung der kirchlichen Vertreter und Organisationen hatten*), die päpstlichen Legaten und Ordensmönche besonders gegen die Juden hetzten und sie gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch verdächtigten, war für die Rechtslage der Juden bezeichnend und für ihr Geistes- und Seelenleben von nicht geringer Bedeutung. Kap. IV. Geistes- und Seelenzustand der Juden jener Zeit2) und Innozenz’ Einfluss darauf. Die soziale Stufe, auf der die Juden der Diaspora in den verschiedenen Ländern standen, unterschied die Juden voneinander. Die Zeit Innozenz' bedeutet im Norden wie im Süden einen Einschnitt, und doch sind die Ursachen, Begleiterscheinungen und Folgen ganz verschiedene. Für Frankreich bedeutete sie ein Herabgleiten der jüdischen Wissenschaft von der Höhe, die sie im zwöllten Jahrhundert erklommen hatte. Neben anderem, war es besonders die judenfeindliche Politik Innozenz1 und ihre Durchführung durch Philipp von Frankreich, die das Leben der Juden dort ähnlich wie in Deutschland in Bahnen drängte, auf welchen sie die frühere frische Beweglichkeit 1I Beater, I, S. 154 ff. *ו Zu diesem Kapitel vgl. Straus, S. 88, Anmerk. 173, wo die äusserst wichtig3 Frage berührt wird, ob man vom Typus eines mittelalterlichen Jaden wie Graetz VI, 280 oder auch nur von zwei Typen wie Güdemann sprechen kann.

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