Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
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dener, der kirchlichen Wesensart geradezu fremd gegenüber stand. Die südliche Denkungsart fand hier Verkörperung in den Grossen und Fürsten: der König von Kastilien, der Graf von Nevers, der Graf Raymuud VI. von Toulouse und St. Gilles und der Vizegraf Raymund Roger von Beziers gelten als Judenfreunde. Aber sie waren machtlos. Es fehlte eben der einheitliche Wille, wie er im Norden von dem politisch reifen Philipp ausging. Innozenz drohte Alfons von Kastilien mit der kirchlichen Zensur, da dieser die Synagoge gedeihen und die Kirche schmälern lasse. Ein Drohbrief an den Grafen von Nevers enthält ebenfalls eine Fülle von gehässigen Anklagen gegen die Juden mit der Mahnung: sie in keiner Weise zu fördern. Sie mussten wie der Brudermörder Kain unstet und flüchtig sein, durften von den Fürsten nicht beschützt, sondern mussten im Gegenteil zur Knechtschaft verurteilt werden. Schlimmer erging es dem Grafen Raymund VI. von Toulouse und St. Gilles. Der Papst liess ihm unter anderem vorwerfen, dass er Juden begünstige. Wie in jenen Gegenden überhaupt waren besonders bei ihm jüdische Beamte angestellt gewesen. Das wog natürlich schwer. Während er in demütiger Weise gezwungen wurde, unter anderen Sünden die der Begünstigung der Juden abzuschwören, mussten 13 Barone, die mit ihm in Verbindung gestanden hatten, sich durch einen Eid verpflichten, ihre jüdischen Beamten abzusetzen und fürderhin kein Amt an solche zu vergeben. Als der Vizegraf ßaymund sogar von dem päpstlichen Simon von Montfort bekriegt und seine Hauptstadt zerstört wurde, kamen 200 Juden um, und viele gerieten in Gefangenschaft. Dadurch, dass der Kreuzzug gegen die Almohaden in Spanien ausgefochten wurde, waren die spanischen Fürsten von Kastilien und Aragonien x) erst recht nicht imstande, die fanatisierte Masse von den Angriffen auf die Juden zurückzuhalten. Immerhin war es in Spanien, besonders in den Gemeinden von Toledo und Saragossa, noch einigermassen möglich, durch Intervention der jüdischen Finanzbeamten oder Ärzte die Lage der Juden, die rechtlich, unter dem übermächtigen Einfluss der Kirche auf die Politik, ganz un- ') Der König von Aragonien hatte sogar einen jüdischen Leibarzt, der später vor dem Laterankonzil eine Versammlung angesehener Männer einberief, welche in Rom die Stimmung der geistlichen Würdenträger zu Gunsten der Juden beeinflussen und die päpstlichen Absichten zunichte machen sollten.