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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 74

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 74)
Language
German
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71 und grausam dieser Satz war, wird uns klar, wenn wir bedenken, dass damals durch die Predigten des Falko von Nceuilly das Volk gegen die Juden aufgebracht worden war, sodass diese streben mussten, neue sichere Wohnstätten aufzusuchen. Das war nun durch den neuen Vertrag Philipps unmöglich, aber die Jaden waren gezwungen, auf alle Bedingungen, die ihnen Philipp auferlegte, einzugeheu. Diese Bestimmung, die erst durch wiederholte Verträge mit dem Grafen von Champagne, dann durch solche mit den Herren von St. Paul und Nevers1) festgelegt wurde, bezeichnet die Judenpolitik Philipps in den folgenden Jahren. Er ist bestrebt, die Juden an sein Land zu ketten, im wahrsten Sinne des Wortes: durch Eide, Bürgschaften, Übergabe von Schuldbriefen, Verpflichtungen des einen für den andern und Einkerkerung der Widerspenstigen. Die 120G erlassene Verordnung für rechtsgültige Ausfertigung von Schuldbriefen diente ebenfalls dazu, seine Einnah־ men von den Juden zu erhöhen. Bei der Verfolgung dieser Interessen hatte er bereits vorher — im Einverständnis mit den Baronen — eine Bestimmung getroffen, die die Kirche eines der oben genannten ausserordentlichen Strafmittel beraubte. Er bestimmte nämlich, dass kein Geistlicher jemand, der an Juden verkaufe oder von ihnen kaufe oder ihnen Dienste leiste, mit Ausnahme von Ammen2) exkommunizieren dürfe. Dem Beispiel Philipps folgten auch andere Landesherren, um ihre Rechte über die Juden zu behalten. Und als der Papst angeordnet hatte, dass den Kreuzfahrern von Seiten aller Gläubiger die Zinsen erlassen würden, da legte Herzog Odo von Bourgogne 1205 Protest dagegen ein, indem er betonte, dass es sich hierbei um einen Eingriff in das Hecht der weltlichen Obrigkeit handle, der dem Papst nicht zustehe. Es ist demnach kein Wunder, wenn Innozenz gerade in diesem Jahre geharnischte Sendschreiben gegen die Juden in Frankreich richtete, in denen er Philipp Vorhaltungen machte 3). Wenn der Papst nach Frankreich schreibt, dass die Freiheit der Christen in Frankreich nicht schlechter sein dürfe als die Dienstbarkeit der Juden, dass die Juden sich dort Kirchengüter *) Dazu kamen die Jaden aus der Normandie. *) Siehe oben Sw 57. 3) Graetz wandert sich, wie er einem Manne wie Philipp Jndenfrenndlichkeit nach sagen könne. Nach obigem erscheint das Sendschreiben begreiiach.

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