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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 72

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 72)
Language
German
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IRI
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69 Sabbathfeier in den Synagogen versammelten Juden festgenommen und zugleich des Goldes, Silbers und der Kleider beraubt, ״wie die Juden seihst beim Auszug aus Aegypten die Aegypter beraubt hätten“1). Dieses neuartige Verfahren beruht auf der Rechtsansicht, dass sich der König der ganzen Habe der Juden bemächtigen könne, da sie von der Kirche ausgeschlossen seien. Es liegt nahe, dass der 15jährige Philipp auf Einflüsterung seiner kirchliehen Umgebung, durch die er über die Juden viele schreckliehe Dinge gehört hatte, mit dieser Amtshandlung am besten seine Regierungs־ tätigkeit einleiten zu können glaubte, der binnen kurzem weitere Massregeln gleicher Art folgten. Wenn er ein Jahr darauf die Schuldner der Verpflichtung, ihre Schulden zu bezahlen, enthob und die Pfänder herausgeben liess, so tat er ja im Grunde2 3) nichts anders als der Papst, als er die Verpflichtung, versprochene Zinsen zu bezahlen, aufhob. In dieser Art verlief denn Philipps ganze Regierungsweise über die Jaden. Die kirchlichen Gründe für das Verhalten den Juden gegenüber leuchteten ihm immer ein, nur zog er die Konsequenzen in weltlicher Art immer zum Nutzen des Staates, um sie mit eigener Machtvollkommenheit durchzuführen. Er hatte gehofft, als Vorkämpfer für die Kirche in Frankreich zu erscheinen, wie im Jahre 1192 das Verfahren in Bray-sur-Seine nur dazu dienen sollte, die königliche Gerichtsbarkeit ausserhalb der Krondomänen auszuüben. Das Kirchliche seiner Handlungen, glaubte er, müsste die Grossen des Landes selbstverständlich auch veranlassen, seinem Beispiele in der Judenpolitik zu folgen. Darum fragte er vor der Ausweisung nicht erst die Grossen, um durch seine Initiative Einfluss auf die anderen zu gewinnen. Aber andererseits geriet er wegen der Frage, ob Juden christliche Dienstboten halten dürften, in Streit mit dem Erzbischof von Sens, ף So berichtet der zeitgenössische Biograph Philipps, Rigordus, de Gestia Philippi. Die Plünderung sollte demnach als gerechte Vergeltung für den Diebstahl in Aegypten angesehen werden. Zu solchen Zwecken wurde die Bibel damals häufig herangezogen, um sich für eine ungerechtfertigte Gewalttätigkeit Verzeihung zu sichern. Zum ״Diebstahlu der Jaden in Aegypten siehe Hoffumnn, Probleme der Pentatenchexegese, in Woblgemuths ״Jeschurun“, Januar 1016• 2) Tatsächlich war es etwas anderes, insofern der Nachlass des Papstes nur für Kreuzfahrer und nur in Bezug auf die Zinsen gewährt war. 3) Schon Ludwig VIT. war wegen dieses 1170 wieder erlassenen päpstliehen Verbotes in Konflikt mit der Kirche geraten.

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