Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
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68 rf) Frankreich 1). In Frankreich hatten die Juden anfangs an vielen Orten leben können ohne Angst, verfolgt zu werden 2); sie hatten bei Herren und *Prälaten Finanzgeschäfte abgewickelt und deren Güter verwaltet. Durch Handel und Industrie waren sie reich geworden. So waren in Narbonne mehr als 300 jüdische Häuser, die sich aus Emigranten, die von Pisa und Genf gekommen waren, gebildet hatten3). Fast überall erhoben sich Synagogen neben christlichen Kirchen. Die Herrschaft über die Juden war aber geteilt unter viele Herren, und ebenso vielfach verschieden gestaltete sich auch ihr Recht. Die Grundlagen dieses Rechtes wurden nun immer mehr von der Kirche beeinflusst. Da war kein Unterschied zwischen Nord- und Südfrankreich, und selbst jenseits der Rhone, in dem zum deutschen Reich gehörigen Königreich Niederburguud oder Arelat herrschte keine prinzipielle Verschiedenheit der Rechtsgrundlagen4). Privilegien gab es nicht; der König nahm sich ihrer nicht an. Wenn die Herren in ihren Gebieten Gewalt gegen die Juden anwandten, wenn sie ihnen gar ein Unrecht zufügten, so ist das bei den halb anarchisehen Zuständen wohl nicht aufgefallen. Der Klerus mag daran insofern auch die Schuld getragen haben, als er gegen den Einfluss, den jüdische Lehren auf die Bevölkerung ausübten, alle möglichen Kampfmittel begünstigte und vor allem den Vorwurf des Wuchers immer wieder erheben liess. Die Erstarkung der monarchischen Gewalt musste dem einen Damm entgegensetzen 5). Aber als König Philipp zur Regierung kam, war er jung und von seiner geistlichen Umgebung in dem vorurteilsvollen Paris6) stark beeinflusst. So wurden in demselben Jahre, da Philipp zur Regierung kam, in ganz Franzien die zur 1l Siehe oben Seite 50 Anmerkung 1. י) Besonders zahlreich waren die Juden in der Champagne, in den Stödten Troyes, Provins, Layny, Bar-sur-Aube, wo die Messen stattfanden, die seit Ende des 12. Jahrhunderts Mittelpunkte des Handels waren. *) Luchaire, Innoeent III, S. 3. 4) Für die äusseren Schicksale der nordfranzösischen Juden liegen bis nach Mitte des 12. Jahrhunderts leider sehr wenig Nachrichten vor. *) Ludwig VII. soll später die Juden tatsächlich begünstigt haben. ף Siehe Caro S. 362.