Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 64

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 64)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3486266-3486293--4916-3491286
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

61 durch Innozenz sich errang, und seine Stellungnahme zur Judenfrage hat in Sizilien mehr noch wie in irgend einem anderen Lande auf die Lage der Juden verändernd eingewirkt. So hat sich auch gerade hier Friedrich II. bei aller persönlichen Lebensführung und Lebensansicht veranlasst gesehen, das ausführende Werkzeug seines mächtigen Lehensherren zu werden und die Inquisition ein- Zufuhren 1). Jetzt waren sie rechtlos gleich den Sarazenen und anderen Ungläubigen in der übrigen abendländisch-christlichen Welt. Friedrich hatte nachgegeben; die Juden spürten schon früh den Sieg des Papsttums über das Kaisertum. Das Reich war lahmgelegt. Aber es gab in Sizilien Städte, die die in ihrem Gebiete liegenden Judengemeinden sich einzuverleiben suchten, um vom jüdischen Handel und Gewerbe ihren Nutzen zu ziehen. Die oben gschilderte Entwicklung lässt den Fall begreiflich erscheinen, dass Judendörfer, um die sich eine Stadt bemühte, bereits einem Kloster verpfändet waren. In dem sich daraus ergebenden Prozess entschied kein anderer als der Papst. Und natürlich fiel seine Entscheidung gewöhnlich so, dass die Kirche als Zentralgewalt, vertreten durch den Klerus, vor dem Staat und der Stadt Anspruch auf die Judenschaft habe. Die Kirche konnte den Städten gegenüber so anftreten, weil sie des Königs von Sizilien sicher war, weil er ihrer bedurfte. In Italien hätte sie es wohl nicht gekonnt, selbst nicht in den ihr unmittel־ bar unterstehenden Städten. Aber Sizilien war ein Lehen des Papstes und als solches ausdrücklich und wiederholt von Friedrich anerkannt. Nichtsdestoweniger konnten viele Städte der Insel ihre Rechtsansprüche an die Juden aufrechterhalten. Die Kornmunen hatten die zivilrechtlichen Beziehungen zwischen Bürgern und Juden zu regeln. Dies hatten die Staufen im wesentlichen den Städten überlassen. Die Kirche hatte daran wenig Anteil genommen. In den Städten des Königreiches war den Juden zwar durch Kirchen- und Staatsrecht die Freizügigkeit entzogen. Aber was bedeutete das in Anbetracht des bürgerlichen Erwerbs- 1J Sonach ist vor allem die Rücksichtnahme auf den Papst bestimmend für Friedrichs Stellung zu den Juden. Vgl. dagegen Güdemann, der sagt, dass Friedrich vorzugsweise den bfldungsfeindliehen deutschen Juden »seine antipathische Seite* gezeigt hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.