Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
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50 dem Konzil zu Oxford, wo die Politik Innozenz* von der Geist־ lichkeit vertreten wurde, setzte eine von kirchlichen Rücksichten geleitete Behandlung der Juden ein, die zunächst zu Abgaben an die Kirche und später zu ihrer Vertreibung aus England führte. Philipp von Frankreich1) war den Juden wenig geneigt. Überhaupt hat er den päpstlichen Ideen so manchen Einfluss auf seine Regierungsmassnahmen eingeräumt, sodass man nicht erstaunt ist, wenn man hört, dass er die Juden rücksichtslos vertreibt. Das war freilich nicht immer so; solange sie in Gebieten wohnten, die ihm unterstanden, hfitte er eifersüchtig darüber gewacht, dass nur er den mit ihnen verbundenen materiellen Nutzen ziehen könne. So z. B. behielt er sie sich vor, als er der Abtei Fecamp den Blutbann in deren Gebiet zugestand, und ebenso, als er die Grafschaft Eu der Gräfin Alidis zurückgab. Das Bestreben, die Juden auszunützen, musste natürlich zum Konflikt mit dem Papste führen, der sein Missfallen an dem Tun des frommen Königs religiös, d. h. damit begründete, dass derselbe die Juden zu günstig behandle. In Wirklichkeit lag der Grund anderswo. Die Steuern der Juden an die Kirche schienen bedroht, die regelmassigen Abgaben, die die Kirche in Frankreich von den Juden erhielt, waren gefährdet, wenn der König seine Hand auf die geistlichen Gebiete legte, wo die Juden seit langem Untertanen der geistlichen Herren waren. Das fürchteten die Herren auch. Denn wenn auch hin und wieder eine geistliche Herrschaft in ihrem Abscheu soweit ging, sich der Juden zu entledigen, so war doch in den weitaus meisten Fällen der geistliche Herr darauf bedacht, ״seine Juden“ an sich zu fesseln, von denen er erstens Steuern und zweitens nach dem Grundsätze ״das Vermögen der Juden gehört dem Baron" 2) grosse Anteile an deren Verdienst erhielt. b) ״Der Zehnte“ und andere Abgaben für den Besitz christlicher Häuser und Osterspenden. Wenn wir bisher von den regelmässigen Steuern an die Kirche als Oberherrschaft gesprochen haben, so ist nun noch *) Histoire de la France, hg. v. E. Lavisse, Bd. 2 und 3 (Paris 1901), .fi. Gasnos, Etüde historique sur la condition des Juifs dans fanden droit frangais, Angers 1897. s) Les meables aux Juifs sont au baron, Ducange s. v. Judaei.