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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 44

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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41 Ist das nicht bezeichnend für die furchtbare Lage, in die die Juden durch die Kurie gedrängt werden sollten? Nicht als Angehörige dieses oder jenes Staates, sondern überall als Geduldete der Christen und des obersten Vertreters derselben werden sie in demselben Moment, da ihre Duldung ausgesprochen wird, in den Augen der Fürsten und ihrer Wirtsvölker herabgesetzt. Die Stellen finden sich in der juristisch bedeutungslosen Einleitung, der Arenga, die nach festen Formen abgefasst zu werden pflegte; dass sie aber in dieser Form zum ersten Mal unter Innozenz begegnet, ist nicht ohne tiefe Bedeutung für die Wertung, die die Juden beim Papste fanden. Für ihn sind die Juden eben ״Knechte״. Von ihrer ״Knechtschaft״ spricht er oft in seinen Briefen. Seine Zeitgenossen konnten dies zweifach deuten. Man konnte dabei an die Knechtschaft des Gesetzes denken, von der die Christen sich freigemacht hatten. Aber ebenso gut war daraus auf die politische Unfreiheit des jüdischen Volkes zu schliessen, zu der es durch den höheren Willen der Gottheit im Exil den nichtjüdischen Gewalthabern überantwortet worden sei. Daraus konnte sich eine Bedeutung ergeben, die unmittelbar den staats und standrechtlichen Verhältnissen jener Zeit angepasst war. ״Die Juden sind Knechte der Fürsten, in deren Ländern sie wohnen, heisst nicht nur, dass sie Untertanen sind, die jeweils der Gerichtsbarkeit und den übrigen Hoheitsrechten des Fürsten unterstehen; das kann auch dahin aufgefasst werden, dass sie seine wirklichen Unfreien sind, die ihm mit Leib und Vermögen angehören1״) — aber nur auf Grund der Kirche, wie Innozenz immer und immer betonte, bald indem er für die Juden eintrat2), bald indem er ihre Begünstigung in verschiedenen Ländern misstrauisch beobachtete. Es ist bekannt, dass es der Absicht der Kurie oft entsprach, sich in Urkunden undeutlich oder zweideutig auszudrücken. So ist nichts wahrscheinlicher, als dass der Papst den doppelsinnigen *) ף Caro, S. 308. *) Dabei konnte die Herrschaft der Kirche über die jüdischen ״Knechte“ zum Ausdruck kommen. Daher scheint er auch — abgesehen von den noch weiter unten entwickelten Gründen—in Rom selbst nichts gegen die Juden versucht zu haben. Da war seine Herrschaft über die Juden ja auffällig genug. Vgl. Berliner, Geschichte der Juden in Rom, II, 1, S. 33. ף So Caro, S. 308.

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