Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3486266-3486293--4886-3491256- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
31 Begründung* hinstellt, widerstrebt dem denkenden Geiste, er will mit der Geschichte und Entwicklung des Gesetzes in stetem Znsammenhange bleiben. Daher die Erscheinung, dass diejenigen Kompendien, welche die Norm ohne Quellen und Belege binstellen, in bedeutend geringerer Anzahl vorhanden sind, als jene, welche Quellen und Belege in ihr Bereich ziehen, daher ferner der Umstand, dass, wie die Mischna den Talmud hervorgerufen, jene ersteren Kompendien zu vielfachen Kommentaren und Quellenangaben Veranlassung gegeben haben, sodass sie mit der Zeit, wenn sich ihnen eine Anzahl von Kommentaren und Quellenangaben anreiht, ihren ursprünglichen Charakter eines Kompendiums verlieren müssen 1). Die modernen Ausgaben des Jad Hachasaka, der Turim oder des Schulchan Aruch mit dessen vierzig Kommentaren und Superkommentaren wird kaum noch jemand Kompendien nennen. Manchmal aber brachten es die traurigen Zeitverhältnisse, in denen die Juden lebten, mit sich, dass ursprünglich nur für den Laien bestimmte exoterische Werke auch für Rabbiner verfasst werden mussten. So verfasste z. B. im Jahre 1277 R. Isaak ben Josef aus Corbeil, genannt בעל החוטם, Schwiegersohn des R. Jechiel aus Paris und Schwager des berühmten R. Mordechai ben Hillel 2), ein Kompendium unter dem Titel ״ ,עמודי הגולהSäulen der Diaspora“ oder ״ ,ספר מצות קטןAbgekürztes Buch der Gebote“, häufig nach den Anfangsbuchstaben סמ״ק genannt, und gibt als Motiv die immer seltener werdende talmudische Gelehrsamkeit an, welche befürchten lässt, ״dass selbst die Rabbiner nicht genau die uns obliegenden Gesetze kennen“ 3). Das Buch zerfällt in sieben Teile nach den sieben Tagen der Woche, damit man in jeder Woche das Buch tagweise zu Ende studieren solle. Dieses Werk ist eigentlich nur ein Auszug aus dem סמ״0 ספר מצות גדול> des R. Moses von Coucy, und wie dort steht auch im ״Semak“ das biblische Gebot an der Spitze, ף Ygl. Buchholz, Historischer Überblick über die mannigfachen Kodifikationen des Halachastoffes, MGWJ. 1864, S. 201 ff. 2) Dass R. Isaak Schwiegersohn des R. Jechiel war, wird jedoch von Wellesz, Die Decisionen R. Isaaks aus Corbeil, Jahrbuch IX, S. 404, Note 2, bestritten, und dass er Schwager des Mordechai war, wird von Kohn a. a. O., S. 23—24, in Zweifel gezogen. *) Ygl. Einleitung zum *Semak“.