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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 19

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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16 Aaf dem Wappenschilde sind deutlich drei im Kreise zu einander stark gekrümmte Fische zu sehen, die im Mittelpunkt des Schildes mit ihren Mäulern sich gegenseitig einander so anfassen, dass der Oberkiefer des einen im Munde des andern steckt. Voegelin l) sieht in allen diesen drei Siegelwappen drei mit den Spitzen nach der Mitte gegen einander gekehrte Judenhüte, was ich für ausgeschlossen halte. Das Judenabzeichen war eine Erfindung des Papstes Innocenz III. und des vierten allgemeinen römischen Konzils im Jahre 1215 2). Früher kannte man dieses Schmachzeichen nicht. Wenn auch in der Manesseschen Lieder- Sammlung der Minnesänger Süsskind von Trimberg mit dem Ab- Zeichen des trichterförmigen, spitzen, gelben Hutes abgebildet ist, so folgt noch nicht daraus, dass dieses Süsskinds Tracht wirklich war, sondern, wie Graetz 3) annimmt, ״hatten die später lebenden Sammler (um 1280—1325) sich einen Juden ihrer Zeit zum Muster genommen״. Das erste Judenabzeichen bestand jedoch nicht in dem Judenhut, sondern in einem gelben Ring am Rocke oder an den Kappen. Erst die Wiener Kirchenversammlung vom 12. Mai 1267 begnügte sich nicht mit dem gelben Fleck der Juden, sondern zwangen diesen das Tragen eines gehörnten Hutes auf, damit sie dadurch unter Christen leichter erkennbar seien und den Spott der Gassenbuben herausforderten4). Es scheint jedoch, dass diese kanonischen Gesetze zur Brandmarkung der Juden nicht immer mit aller Strenge zur Ausführung gebracht wurden; denn sonst hätten sich nicht während eines Zeitraumes von einigen Jahrhunderten fast alle Kirchenversammlungen mit der Einhaltung und Verschärfung dieser von der Religion der Liebe erlassenen Massregeln befassen müssen. Zur besondern Ausführung dieses grausamen Gesetzes kam es erst nach der Kirchenversammlung vom Jahre 1314, wo die Juden gezwungen wurden, diese Kopfbedeckung zu tragen. Die Juden haben niemals mit dieser verabscheuungswürdigen Tracht stolziert, und niemals wäre es einem Juden in den Sinn gekommen, dieses nur des finsteren Mittelalters würdige Kleidungsstück zum Ehrenzeichen auf sein Wappenschild zu erheben. Um 1329 konnte also nicht ein Judenhut auf dem Schilde eines jüdischen Siegels prangen. l) A. a. 0. Bd. I, S. 408. 2) Vgl. Graetz, Geschichte, Bd. 7, 3. Aufl., S. 16 t *) A. a. 0., 6, S. 234, Fussnote. 4) Vgl. Graetz, Geschichte, 7*, 136.

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