Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XI. (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 285)
- Language
- German
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265 Mitternacht, wenn der Nordwind zu wehen beginnt, spielte die Harfe von selbst. David stand sofort auf und beschäftigte sich bis zum Morgengrauen mit der Thora. Bei Morgengrauen kamen die Weisen Israels und baten für die Armen um Unterstützung. Gehet und ernähret euch gegenseitig, war die Antwort des Königs. Von einer Handvoll wird ein Löwe nicht satt, antworteten sie; auch wird eine Grube von der aus ihr enthobenen Erde nicht voll. So unternehmet einen Streifzug (damit ihr euch von der Beute ernähren könnt), erwiderte David. Sofort berieten sie sich mit Achithofel, holten die Meinung des Synhedrium ein und Hessen in den Urim und Tumim fragen“. Gegen diese allgemein übliche Erklärung der Talmudstelle erheben sich verschiedene Schwierigkeiten. Zunächst ist auffallend, dass David die Weisen Israels zum Baube aufgefordert haben soll. Merkwürdig ist ferner, dass die Weisen Israels wegen der vom König gegebenen Weisung beim Synhedrium und den Urim und Tumim Rat einholen. Nach Raschi wurden diese höchsten Repräsentanten Israels nur darum angegangen, damit sie für das Gelingen des Raubzuges beten sollten, was doch auffallend ist. Zunächst sei bemerkt, dass diese Erklärung der Stelle wohl auf der Anschauung basiert, dass David ein langjähriger Führer einer Freischar war. Bekannt ist ja die Episode von David und Nabal, der gezüchtigt werden sollte, weil er dem David keine Nahrung in die Wüste sandte. Ebenso räumte der Philisterfürst dem David und seinen Leuten die Stadt Gath als Aufenthaltsort ein. Dann hielten sich David und seine Leute in Höhlen und Bergen auf, alles nach Art eines Freischärlers. Aber wir möchten gerade diese Annahme, David sei jemals ein Freischärler im gewöhnlichen Sinne gewesen, sehr bezweifeln. Wir glauben vielmehr, dass das ganze Vorgehen Davids vor seiner Königszeit nur zum Wohle und Schutze des jüdischen Staates gewesen sei. Die Sache dürfte sich vielleicht folgendermassen verhalten haben. Als Samuel alt geworden war und sich um die Sicherung des Staates nicht mehr kümmern konnte, da machte sich das Freischärlerteben der um Palästina wohnenden Völker sehr drückend bemerkbar.*) Das Freischärlerleben der um Palästina wohnenden Volker hat Israel zu jeder Zeit Schrecken eingeflösst• Waren es doch Freischaren» die dem